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StadtGrün naturnah

Haldensleben strebt nach mehr biologischer Vielfalt

Bäume, Wiesen, Blumen, Hecken und Sträucher – urbanes Grün macht unsere Städte attraktiver und lebenswerter. Stadtgrün bietet Raum für Naherholung und Entspannung direkt vor der Haustür. Stadtgrün und Stadtnatur verbessert jedoch nicht nur unsere Lebensqualität, sondern erfüllt auch zahlreiche ökologische Funktionen. Es wirkt sich positiv auf das Stadtklima aus, trägt bei zur Verbesserung der Luftqualität und bietet Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen.

Um die positiven Effekte des Stadtgrüns zu erhalten und die biologische Vielfalt im urbanen Raum zu fördern müssen urbane Grün- und Freiflächen ökologisch geplant und bewirtschaftet werden. Für Kommunen stellt dies oft eine große Herausforderung dar. Das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ führt seit 2016 das Projekt „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch. Mit dem Label „StadtGrün naturnah“ werden Kommunen bei der Umsetzung eines ökologischen Grünflächenmanagements unterstützt und das vorbildliche Engagement in Sachen naturnaher Grünflächengestaltung ausgezeichnet.

Auch die Stadt Haldensleben mehr biologische Vielfalt und einer naturnahen Grünflächengestaltung engagieren und nimmt an dem Labeling-Verfahren teil. Das Verfahren umfasst einen mehrstufigen Prozess über zwölf Monate. In der ersten Phase des Projekts erfolgt eine Bestandserfassung der lokalen Ausgangsbedingungen. In der zweiten Phase wird darauf aufbauend ein Maßnahmenplan mit den geplanten Aktivitäten zur naturnahen Entwicklung der innerstädtischen Grünflächen entwickelt. Die Bestandserfassung und der Maßnahmenplan dienen schließlich als Bewertungsgrundlage für die Label-Vergabe und werden zu einer Grünflächenstrategie zusammengefasst, welche abschließend auf politischer Ebene legitimiert werden soll. Das Label wird in drei Qualitätsstufen für jeweils drei Jahre vergeben: Gold, Silber und Bronze. Neben der Kommunalverwaltung sollen im Rahmen einer lokalen Arbeitsgruppe (LAG) weitere Akteure beteiligt werden. Ziel der LAG ist den Austausch zwischen der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft zu befördern und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Stadt Haldensleben kann bereit einen bedeutsamen „Grün-Anteil“ im Stadtgebiet vorweisen. Zahlreiche Grünflächen, Verkehrsbegleitgrün und Stadtbäume zieren das Stadtbild. Auch im Rahmen der biologischen Vielfalt setzt Haldensleben bereits ein Zeichen. So wurden 2020 beispielsweise auf dem Bahnhofsvorplatz und am Friedhofsparkplatz jeweils 50 m² große Lilienwiesen inkl. einjähriger Blumenmischung angelegt, welche nicht nur optisch ansprechend sind, sondern auch als Nahrungsquelle für Insekten dienen. An der Magdeburger Straße wurden zur Verschönerung des Verkehrsbegleitgrüns die alten Rosenbeete in pflegearme Staudenbeete umgewandelt. Im Rolandgarten und am Naturerlebnispfad wurden insektenfreundliche Wildblumenwiesen angelegt. Für das Jahr 2022 sind bereits weitere Blühflächen in Planung.

Zertifizierung "Stadtgrün naturnah" - Haldensleben mit Silber ausgezeichnet


Haldensleben zertifiziert: Mehr Klima- und Artenschutz

Rund 50 Hektar groß ist das Betriebsgelände des größten Haldensleber Unternehmens, dem Warenverteilzentrum von Hermes an der Hamburger Straße. Fast eineinhalbmal so groß sind zusammengerechnet die städtischen Grünflächen, die der Stadthof zu pflegen hat. Das Ganze verteilt sich auf hunderte Splitterflächen vom allerkleinsten Beet über pflegeintensive Spielplätze bis hin zu naturnahen Ohrewiesen.

Doch dieser grüne Schatz bringt nicht nur viel Arbeit mit sich, sondern ist auch ein wichtiges Pfund beim ökologischeren Umbau der Stadt angesichts von Klimawandel und Artensterben.

Die Stadt Haldensleben ist auf dem Weg zu ökologischerem Stadtgrün – und dies wurde nun auch zertifiziert: Bei der Teilnahme am Zertifizierungsprozess „Stadtgrün naturnah“ des Bündnisses "Kommunen für biologische Vielfalt“ erreichte Haldensleben bei der ersten Teilnahme auf Anhieb die Stufe Silber, wie Stephanie Otto, Mitarbeiterin im Bauamt stolz berichten konnte. Neben Wittenberg und Wernigerode ist Haldensleben die einzige weitere Stadt aus Sachsen-Anhalt, die sich auf diesen Weg gemacht hat.

Intensiv hatten unter Federführung des Bauamtes in den letzten Monaten Verwaltung und Vertreter verschiedener, an der ökologischen Entwicklung interessierter Gruppen an einem Konzept gearbeitet, das die Grundlage für die Zertifizierung bildet. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Umgestaltung von besagten Freiflächen: Wo Wildblumen blühen können und verschiedene Gräser wachsen, finden Insekten und andere Kleintiere plötzlich Lebensräume vor, die sterile Rasenflächen nicht bieten. Mit regionalen Saatgutsorten, weniger Mahd und einigen anderen Maßnahmen kann dies erreicht werden. Häufig sind es die kleinen Änderungen, die große Wirkung bringen: So werde der Stadthof nach dem Mähen teilweise das Schnittgut einige Tage auf den Flächen liegen lassen. Dadurch können Samen aus den abgemähten Pflanzen fallen und im nächsten Jahr erneut für blühende Vielfalt sorgen, berichtet Christina Wiegmann Sachgebietsleiterin Grünanlagen beim Stadthof

Für die Haldensleber Bürgerinnen und Bürger geht damit natürlich ein gewisser Umgewöhnungsprozess einher: Eine hochwachsende Wildblumenwiese im öffentlichen Bereich sei eben nicht „ungepflegt“, sondern im Sinne des Klimas und des Artenschutzes gewollt, erklärt Wiegmann. Die Umgestaltung finde natürlich aber da ihre Grenzen, wo die Nutzung eine intensive klassische Pflege erfordere, wie etwa auf den Spielplätzen oder aus Gründen der Verkehrssicherheit.

Drei Jahre hat nun die Stadt Haldensleben Zeit, einen Teil der insgesamt über 50 klima- und artenschutzfreundlichen Maßnahmen umzusetzen, bis die erneute Zertifizierung ansteht. Bei der Auszeichnungsveranstaltung des Bündnisses in Frankfurt wurden aber nicht nur die selbstgesteckten Ziele der Stadt positiv bewertet, sondern auch das, was bislang bereits gut entwickelt ist. So wurde der Naturerlebnispfad mit seinen zwölf spannenden Stationen zum Lernen und Spielen, die Renaturierung des früheren Ohrefreibades und der Rolandgarten als positiv bewertet.

Künftige Schwerpunkte sollen indes der beschriebene Umbau der Grünflächen hin zu mehr Naturnähe und viele Aktionen zur Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger sein. In seiner jüngsten Sitzung fand das Konzept bereits breite Zustimmung im Stadtrat. Die so genannte „Biodiversitätsstrategie“ wurde mit klarer Mehrheit angenommen. Eines der ersten Projekte, die als nächstes begonnen werden, soll die Anlage einer Wildobstwiese nahe der Ohre sein: Der ökologische Umbau hat begonnen.


Kontakt

Stadtplanung

Markt 20–22
39340 Haldensleben

Einblicke in bereits bestehende Blühflächen

Was bedeutet eigentlich biologische Vielfalt?

Biologische Vielfalt oder Biodiversität wird definiert als „Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, (…); dies umfasst die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme“ (Quelle: United Nations: Convention on biological diversity (CBD), Rio de Janeiro on 5 June 1992 https://www.cbd.int/doc/legal/cbd-en.pdf). Also der Begriff steht nicht nur für Artenvielfalt, sondern auch für die Vielfalt der Lebensräume und die Vielfalt der vorhandenen genetischen Ressourcen, die das Überleben und das Anpassen von Arten absichern.

Was ist eigentlich Stadtgrün?

Stadtgrün umfasst alle Formen grüner Freiräume und begrünter Gebäude. Zu den Grünflächen zählen u.a. Parkanlagen, Friedhöfe, Kleingärten, Brachflächen, Spielplätze, Sportflächen, Straßengrün, Siedlungsgrün, Wald usw. Auch private Gärten und landwirtschaftliche Nutzflächen sind ein wesentlicher Teil des Grüns in den Städten. Bauwerksgrün mit Fassaden- und Dachgrün, Innenraumbegrünung sowie Pflanzen an und auf Infrastruktureinrichtungen gehören ebenfalls dazu.

Warum ist urbanes Grün so wichtig?

Urbane Grünflächen stellen heute einen notwendigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten dar. Durch die extensiv und sich dynamisch verändernde Nutzung bieten Parkt, Biotope, Stadtwälder oder Brachflächen Chancen für einen großen Artenreichtum. Verschiedene Studien zeigen, dass Städte im Vergleich zur Landschaft außerhalb des Siedlungsbereiches bereits ein höheres Artenspektrum aufzeigen. Dies ist vor allem mit der zunehmenden Intensivierung der umgebenden Flächen zu begründen. Auf urbanen Freiflächen finden heimische Arten, wie Mauersegler, Fledermäuse oder Igel einen Lebensraum. Aufgrund der vorteilhaften Standortbedingungen, wie Wärme und Trockenheit, siedeln sich auch gebietsfremde Arten an. Insbesondere Brachflächen sind als Lebensraum für spontan auftretende Tier- und Pflanzenarten von entscheidender Bedeutung und tragen in besonderer Art und Weise zur biologischen Vielfalt im urbanen Raum bei. Es gilt: je besser die Stadt durchgrünt ist, desto höher ist auch der Anteil heimischer Arten und Arten mit besonderen Habitatansprüchen.

Aber nicht nur Tiere und Pflanzen profitieren von urbanen Naturräumen. Im Siedlungsbereich fördern Parks und Grünanlagen die Erholung und Gesundheit, ermöglichen Begegnungen und Teilhabe und schaffen Gestaltungsräume für alle Stadtbewohner. Stadtgrün trägt ebenfalls zur Naturerfahrung und Umweltbildung von Kindern bei. Zudem fördert es ein gesundes Klima und filtert Luftschadstoffe, dient der Grundwasserneubildung und dem Schutz der Stadtböden. Urbanes Grün bringt auch ökonomische Vorteile. Städte sind Lebens- und Wirtschaftsräume. Eine Grüne Infrastruktur leistet einen direkten und indirekten Beitrag zur Wertschöpfung der Kommune. Zum einen profitiert beispielsweise der städtische Tourismus und das lokale Gewerbe und zum anderem wirken sich Grünflächen als Standortfaktor positiv über die Wahl des Wohn- und Arbeitsortes aus.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass biologische Vielfalt ein Querschnittsthema darstellt. Es zeigt, dass nahezu alle Lebensbereiche direkt oder indirekt beeinflusst werden. Durch die sogenannte Grüne Infrastruktur werden soziale, ökologische und ökonomische Aspekte miteinander vereint und somit zur wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Entwicklung einer Kommune beiträgt.

Mehr Infos über den Wert des urbanen Grüns können Sie hier nachlesen.