Philosophischer Salon mit Janina Otto (Magister Artium Philosophie): »Woher kommt mein Geschmack?« Pierre Bourdieu und »Die feinen Unterschiede«
Die feinen Unterschiede ist der Titel des Hauptwerkes des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930-2002) mit dem Untertitel Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, das im französischen Original zuerst 1979 erschien. Bourdieu beginnt mit einer Analyse des Kunstgeschmacks und weitet sie auf den gesamten Lebensstil einschließlich religiöser und politischer Vorstellungen aus (den sog. »Habitus« in Anlehnung an Norbert Elias).
14.10.2026
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Philosophischer Salon mit Janina Otto (Magister Artium Philosophie): „Woher kommt mein Geschmack?“ Pierre Bourdieu und „Die feinen Unterschiede“
Die feinen Unterschiede ist der Titel des Hauptwerkes des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930–2002) mit dem Untertitel Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, das im französischen Original zuerst 1979 erschien. Bourdieu beginnt mit einer Analyse des Kunstgeschmacks und weitet sie auf den gesamten Lebensstil einschließlich religiöser und politischer Vorstellungen aus (den sog. „Habitus“ in Anlehnung an Norbert Elias). Diesen Habitus führt er, gestützt auf intensive empirische Untersuchungen, auf die soziale Position der jeweiligen Menschen zurück, die er mit seinem Kapitalmodell definiert (ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital).
Woher kommt also mein Geschmack? Bourdieu richtet sich gegen die „Ideologie des angeborenen Geschmacks“. Ein Beispiel dafür ist der konservative Philosoph José Ortega y Gasset, der betont, die nicht verstehende Masse könne mit moderner Kunst nichts anfangen im Gegensatz zu einer besonders begabten Minderheit.
Bourdieu geht davon aus, dass Geschmack nichts Individuelles darstellt, sondern immer von der Gesellschaft geprägt ist. Geschmack sei also keine Eigenheit des Menschen, die von Natur aus jeder habe, sondern rühre immer von der Art her, wie jemand in Familie und Schule sozialisiert wurde und wie und in welchem sozialen Umfeld er sich bewegt. Bourdieu zeigt, dass „guter Geschmack“ von herrschenden Klassen definiert und zur Distinktion, also zur aktiven Abgrenzung genutzt werde.
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