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Allgemeine Informationen zum Naturerlebnispfad

Hallo,
ich bin „Froschkönig Friedhelm“!

Habt ihr Lust mit mir den Naturerlebnispfad von Haldensleben zu entdecken?
Auf einer Strecke von knapp zwei Kilometern könnt Ihr mit mir an insgesamt zwölf spannenden Stationen lernen, spielen und die Natur beobachten.

Der Naturerlebnispfad verläuft entlang der Ohre und befindet sich in direkter Nähe zur Altstadt von Haldensleben. Entlang des Pfades erzähle ich Euch an acht großen Informationstafeln u.a. Wissenswertes zu meiner Heimat der Ohreaue und den dort vorkommenden Lebewesen. Wer noch mehr erfahren möchte, hat die Möglichkeit über einen QR-Code auf den großen Tafeln zusätzliche Informationen mit dem Smartphone abzurufen. Für Kitas, Grundschulen und Familien (z.B. Kindergeburtstage) hat der Pfad zudem drei verschiedene Umweltbildungsprogramme (nähere Infos unten) zu bieten.

Der Naturerlebnispfad Haldensleben wurde übrigens schon im Jahr 2009 in Kooperation mit der Stadt Haldensleben und ortsansässigen Kitas, Schulen und Vereinen ins Leben gerufen. Das Projekt wurde damals mit Unterstützung des Landesamtes Sachsen-Anhalt (Referat für Forst- und Jagdhoheit) realisiert und unter anderem als Maßnahme zur Förderung der Umweltbildung in Sachsen-Anhalt finanziell gefördert.

2017 hat die Stadt Haldensleben den Naturerlebnispfad umfassend überarbeiten lassen. Das Konzept dazu wurde vom Ingenieurbüro Natur und Bildung aus Dresden entwickelt und das Projekt vom Land Sachsen-Anhalt im Rahmen der Förderung von Projekten

zur Bildung für nachhaltige Entwicklung oder Umweltbildung in Sachsen-Anhalt gefördert.

Mein Name „Froschkönig Friedhelm“ ist übrigens durch Vorschläge von Kindern aus den Kitas und Grundschulen von Haldensleben entstanden. Da die Stadt Haldensleben eine besondere Beziehung zu den Gebrüdern Grimm hat (eine Enkelin von Wilhelm Grimm vermachte einen Großteil ihres Nachlasses dem örtlichen Museum), finde ich den Titel „Froschkönig“ wirklich passend. Meint Ihr nicht auch!?

  

Umweltbildungsprogramme

Die Umweltbildungsprogramme können mit Hilfe der im Downloadbereich zur Verfügung gestellten Arbeitsblätter selbstständig durchgeführt werden. Diese beinhalten neben naturkundlichen Hintergrundinformationen, Angaben zu benötigtem Material, Spielbeschreibungen und Angaben zur Dauer der Aktivitäten.

Für das Kita- und das Grundschulprogramm steht den Betreuern ein Rucksack mit entsprechend unterschiedlichen Utensilien zur Ausleihe im Bürgerbüro zur Verfügung.

Für das Grundschulprogramm empfiehlt es sich, ergänzend zum Rucksack Expeditionstaschen für die Schüler auszuleihen, um alle Aktivitäten des Programms durchführen zu können.

Für das Familienprogramm sind ein Rucksack für den Gruppenleiter sowie bis zu 4 Expeditionstaschen mit jeweils unterschiedlichen Utensilien am WOBAU–Bahnhofcenter ausleihbar. Zusätzlich zu den im Downloadbereich zur Verfügung gestellten Arbeitsblättern, steht für das Familienprogramm eine Rätselbroschüre zur Verfügung, welche zusätzliche Informationen und Rätselaufgaben beinhaltet. Am Ende der Broschüre kann ein Lösungswort eingetragen und an die Stadtverwaltung gesandt werden. Die Einsender nehmen an einem jährlichen Gewinnspiel teil.

     

Wer die Programme nicht allein durchführen möchte und Interesse daran hat, sich von einer Gruppenleiterin führen zu lassen, kann sich gern an Frau Kerstin Weinrich wenden. Mail: kerstin.weinrich@haldensleben.de Telefon: 03904/479-128


 Downloads Umweltbildungsprogramme

Kitas:
AB-Kita-Erzieher
AB-Kita-Kinder-hoch
AB-Kita-Kinder-quer

Grundschule:
AB-Grundschule
AB-Grundschule-Schüler-hoch
AB-Grundschule-Schueler-quer

Familien:
AB-Familienprogramm


Neugierig geworden?
Dann kommt mich und meine Freunde am Naturerlebnispfad besuchen!

Wenn ihr den Pfad auch so toll findet wie ich, dann würde ich mich anschließend über ein positives Feedback freuen. Gern könnt Ihr auch ein paar tolle Ideen und Vorschläge für den Naturerlebnispfad einreichen. Bitte füllt dafür das folgende Formular aus und sendet es an umwelt@haldensleben.de. Ich bin gespannt sie zu lesen.

Formular für Vorschläge und Ideen - folgt in Kürze...

Station 1: Willkommen im Reich des Froschkönigs

Station 1: Willkommen im Reich des Froschkönigs

 Fauna-Flora-Habitat (FFH)- Richtlinie

Die FFH-Richtlinie ist eine Richtlinie der Europäischen Union, die am 21. Mai 1992 in Kraft getreten ist. Sie dient dem Schutz der natürlichen Lebensräume (Habitat = Lebensraum) und der darin vorkommenden wildlebenden Tiere (Fauna = Tiere) und Pflanzen (Flora = Pflanzen). Hauptziel ist, die biologische Vielfalt unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und regionalen Anforderungen zu erhalten. Welche Arten und Lebensraumtypen genau geschützt werden ist in den Anhängen der FFH-Richtlinie aufgelistet. (RICHTLINIE 92/43/EWG, 1992)

 Der Europäische Laubfrosch

Der Europäische Laubfrosch ist mit seiner Länge von 3 bis 5 cm unsere kleinste einheimische Froschart. Laubfrösche sind tag- und nachtaktiv und bevorzugen heckenreiche, extensiv genutzte Wiesen- und Auelandschaften. Sie ernähren sich vorwiegend von Fliegen, Käfern und Spinnen. (LUBW, 2013)

Während der Paarungszeit halten sich ganze Gruppen von Laubfroschmännchen im oder auch am Laichgewässer auf. Nach Sonnenuntergang versuchen sie mit ihren Rufen (Balzgesang) Weibchen anzulocken. Wie ihr Ruf klingt, könnt ihr euch weiter unten anhören. Ihre Eier heften sie als Laichballen an Wasserpflanzen an. Die Larven schlüpfen dann nach ca. einer Woche und entwickeln sich in einem Zeitraum von 40 bis 90 Tagen zu einem Jungfrosch. (LUBW, 2013)

So klingt der Ruf des Laubfrosches - einfach draufklicken:

Quellen
RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (ABl. L 206 vom 22.7.1992, S. 7)

LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Referat 25 – Artenschutz, Landschaftsplanung (2013): Europäischer Laubfrosch, Karlsruhe 2013

gefördert durch:


Station 2: Froschkönig auf der Hut!

Station 2: Froschkönig auf der Hut!

 Bedeutung der Auen

Auen sind natürliche Überschwemmungsgebiete, durch deren großflächige Überflutung Schäden an anderen Stellen vermieden werden können. Aufgrund ihrer Filterfunktion können sie zudem helfen, unerwünschte Stoffeinträge in die Gewässer zu reduzieren. So kann es durch Regenwasser in bestimmten Gebieten zu einem oberflächlichen Bodenabtrag oder zur Lösung von Nährstoffen aus dem Boden von Äckern, Wiesen und Weiden und somit zur Verunreinigung von Gewässern kommen. In der Aue können diese Materialien jedoch abgelagert und gebunden werden und gelangen somit nicht in den Fluss. Des Weiteren bieten Auen Möglichkeiten der Erholung und Freizeitgestaltung und tragen zur Steigerung der Artenvielfalt bei. (BfN et al., 2015)

Bedeutung des Grünlands

Grünland ist die häufigste Landnutzungsform in rezenten (noch durchströmten) Auen. Weil es nicht mit dem Pflug und weniger schwerem Gerät bearbeitet wird, verfügt es über eine höhere Regenwurmdichte, mehr Makroporen und verbesserte Wasserinfiltration und kann somit in Hochwassergebieten mehr Wasser im Boden zurückhalten. Mit seiner Fülle an Strukturen bietet Grünland außerdem eine große Menge an Lebensräumen für Flora und Fauna. Ein weiterer positiver Effekt ist der Beitrag zum Klimaschutz, welchen Grünland durch seine Kohlenstoff-Rückhaltefunktion leistet. Ein Verlust an Grünland hat also weitreichende negative Auswirkungen auf das Klima, den Boden, den Wasserhaushalt, die Biodiversität (Artenvielfalt) sowie die Erholungsfunktion. (BfN, 2014)

Hier, in der Stadt Haldensleben, gibt es seit 1997 eine Satzung zum Schutz von Grünlandflächen. Dabei handelt es sich um die „Satzung der Stadt Haldensleben zur Sicherstellung von Grünlandflächen in der Ohreniederung als geschützte Landschaftsbestandteile“ (Grünlandsatzung). Zum Schutz des Grünlandes ist es gemäß Grünlandsatzung verboten, die geschützten Grünlandflächen zu zerstören, zu schädigen oder ihren Aufbau wesentlich zu verändern.

Quellen

BfN Bundesamt für Naturschutz, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (2014): GRÜNLAND-REPORT, Bonn 2014

BfN Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.); Schäfer, A.; Kowatsch, A. (2015): Gewässer und Auen - Nutzen für die Gesellschaft, Bonn 2015

 

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Station 3: So liebe ich es!

Station 3: So liebe ich es!

Der Eisvogel

An großen stehenden oder ruhig fließenden, klaren Gewässern Europas und großen Teilen Asiens kann man den Eisvogel ganzjährig beobachten. Vor allem das Angebot an Brutwänden und Ansitzwarten für die Jagd bestimmen, neben dem Nahrungsangebot, das Vorkommen des Eisvogels. (LBV & NABU, 2008)

Trotz seines farbenprächtigen Gefieders fällt der Eisvogel in der Natur kaum auf. In seinem Lebensraum ist er im Wechsel von Licht, Schatten und Wasserspiegelungen mit seinem Federkleid bestens getarnt. Daher kann man einen ruhig sitzenden Eisvogel auch nur selten entdecken. Meistens verrät erst sein Ruf, ein hohes „tjiih“, seine Anwesenheit. (LBV & NABU, 2008)

Der Eisvogel ist mit seiner ausgefeilten Jagdtechnik optimal an seinen Lebensraum angepasst. Mit seinem Sturzflug kann er bis zu 60 cm tief ins Wasser eintauchen und innerhalb von Sekunden mit seiner Beute auftauchen. Jagd er in stillen Buchten klarer Bäche, liegt seine Trefferquote bei 100 %. Dennoch sterben jährlich im Schnitt 70 % aller erwachsenen Eisvögel und 80 % der jungen Eisvögel kommen bereits in ihrem ersten Lebensjahr ums Leben. Eine Erklärung hierfür findet sich in den wechselnden natürlichen Lebensbedingungen (Hochwasser, harte frostige Winter) sowie in Eingriffen des Menschen in unsere Gewässer (Verschmutzung, Verbauung). (LBV & NABU, 2008)

Seine meist 50 bis 90 cm lange Bruthöhle gräbt der Eisvogel mit seinem Schnabel in senkrechte oder leicht überhängende Lehm- und Sandwände. Idealerweise befinden sich diese direkt am Nahrungsgewässer. Aber auch Standorte in bis zu 2 km Entfernung kommen für den Brutplatz in Frage. (LBV & NABU, 2008)

Der Biber

Viele denken, der Biber fällt Bäume nur, um Dämme und Burgen zu bauen. Das ist so jedoch nicht ganz richtig. Biber sind reine Pflanzenfresser und fällen vor allem Bäume, um an die saftige Rinde der jüngeren und dünneren Zweige in der Baumkrone zu kommen. Da er keinen Winterschlaf hält und somit auch im Winter etwas fressen muss, beginnt er im Herbst ein Vorratslager im Wasser anzulegen. An dieses gelangt er auch, wenn die Wasserfläche zugefroren ist. Zudem bleiben die Zweige im Wasser frisch. (GWV et al., 2011)

Einige fragen sich vielleicht warum der Biber eigentlich Dämme baut. Das tut er an den Stellen, wo der Wasserstand im Gewässer zu niedrig ist oder stark schwankt. Somit stellt er vor allem sicher, dass der Eingang zu seinem Bau unter Wasser bleibt, die Jungtiere sicher sind und im Winter keine kalte Luft durch den Eingang in seine Wohnhöhle zieht. Außerdem ist es durch den Einstau für den Biber einfacher Futterquellen zu erreichen und geerntete Äste auf dem Wasser zu transportieren. Ein Biberdamm kann übrigens so stabil sein, dass man darüber gehen könnte. (Amt der Tiroler Landesregierung et al., 2010)

Der Biber ist nach europäischem Recht in der FFH-Richtlinie gelistet. Es ist demnach verboten, ihn absichtlich zu stören, zu jagen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Der gesamte Lebensraum des Bibers ist als Fortpflanzungs- und Ruhestätte samt seiner Baue und Dämme zu schützen. Zudem darf mit dem Biber kein Handel (weder lebend noch tot) betrieben werden. (Amt der Tiroler Landesregierung et al., 2010) Auch in der Ohre ist der Biber heimisch. Seine Biberburg hat er jedoch bisher noch nicht in der Nähe des Naturerlebnispfades angelegt.


Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Ziel der Ende 2000 in Kraft getretenen WRRL ist der Schutz und Erhalt der Bäche, Flüsse und Seen, der Küsten- und Übergangsgewässer sowie des Grundwassers in Europa.
Mit der WRRL wurden neue Wege im Umgang mit den Gewässern Europas aufgezeigt. Dazu gehören:

  • Den Zustand von Gewässern anhand des Vorhandenseins und der Anzahl bestimmter Arten (bestimmte Fische, wirbellose Kleintiere, Algen und andere Wasserpflanzen) zu bewerten.
  • Stetige Verbesserung der Wasserqualität durch Reduzierung organischer Belastungen und Schadstoffeinträge.
  • Betrachtung kompletter Einzugsgebiete, unabhängig davon, in welcher Kommune, in welchem Kreisgebiet, Bundesland oder Staat das Gewässer liegt. Sie fordert, fachliche und organisatorische Grenzen zu überwinden, eng zusammen zu arbeiten und abzustimmen sowie gemeinsam nach Lösungen der bestehenden Probleme zu suchen.

(NLWKN et al., 2010)

Zielstellung der WRRL sind möglichst naturnahe Strukturen und das Vorkommen von wenigen Schadstoffen, so dass der für Flora und Fauna typische Lebensraum wieder hergestellt wird. Um dies umzusetzen gibt es für Sachsen-Anhalt ein Gewässerrahmenkonzept. Die darin genannten Maßnahmen gelten auch für Gewässer wie die Ohre, Teiche oder Gräben.

Die Stadt Haldensleben befindet sich übrigens im Bereich der Flussgebietsgemeinschaft Elbe. Dieses wurde anhand der natürlichen Vernetzung der in die Elbe einmündenden Fließgewässer nochmals in 5 Koordinierungsräume (=Teileinzugsgebiete) gesplittet. Die 5 Koordinierungsräume stellen die Teileinzugsgebiete für eine künftige Bewirtschaftung der Gesamtelbe dar. Diese sind

 

  • Mulde-Elbe-Schwarze Elster
  • Saale
  • Mittlere Elbe/Elde (in diesem Bereich befindet sich Haldensleben)
  • Havel
  • Tideelbe.

Wasserflohgedicht Nummer zwei (WERNER ROHRMOSER)

Ein Wasserfloh
im Paletot
verirrt sich
äußerst selten,
 
gewöhnlich liebt
das kleine Tier
ganz klare
Wasserwelten.
 
Da schmust es mit
dem Borstenwurm,
da jagt es
Flagellaten,
 
treibt sich mit
Rädertierchen rum,
anstatt durchs
Watt zu waten.
 
Turnt albern
durch das Nass dahin
und ärgert
Wasserwanzen,
 
und dennoch
hat es seinen Sinn
als kleiner Teil vom
Ganzen.
die Elemente
und das Licht
und Wasser,
Krug und Kranze.
 
Als Mensch muss man
das nicht verstehen,
doch sollte man es schonen;
 
denn eines wird
bestimmt nicht gehen:
so eine Welt
zu klonen.

(NAJU, 2012)

 

Quellen

NAJU-Naturschutzjugend im NABU e. V. (2012): Lebensraum Fluss, Berlin 2012

GWV Gas- und Wasserversorgung Fulda GmbH (Hrsg.); Untere Naturschutzbehörde Landkreis Fulda (Hrsg.); Dr. Schmidt, Mathias R. (2011): Unser Unbekannter Freund: Der Biber, Fulda, 3. Auflage 2011

Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz, Referat Naturkunde (Hrsg.); Mertz, P. - die naturwerker, Büro für Biologie und Landschaftsplanung (2010): Biber in Tirol, Innsbruck, 1. Aufl. Oktober 2010

NLWKN Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (Hrsg.); UIH Ingenieur- und Planungsbüro; Umwelt Institut Höxter; Monkenbusch, H. (2010): Wasserrahmenrichtlinie Band 6, 1. Auflage 2010

LEADER-Aktionsgruppe Nordschwarzwald; Ebel, C. (2010): Flyer Eisvogelpfad Seewald, Seewald 2010

LBV Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. & NABU-Bundesverband (2008): Der Eisvogel, Vogel des Jahres 2009, Meckenheim 2008

Flussgebietsgemeinschaft Elbe (FGG), verfügbar unter https://www.fgg-elbe.de/fgg_elbe.html, abgerufen am 01.08.2018

 

gefördert durch:

Station 4: Einladung zum Abendbrot

Station 4: Einladung zum Abendbrot

Die Fledermaus

Fledermäuse zählen, trotz ihrer Fähigkeit zu fliegen nicht zu den Vögeln, sondern zu den Säugetieren. Im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte bildeten sich ihre Vordergliedmaßen zu Flügeln mit einer feinen Flughaut aus. (BUND et al., 2015)

Oft leben sie unbemerkt unter den Menschen. Man kann sie jedoch während der Dämmerung oder in der Nacht bei der Jagd beobachten. Dabei können einige Fledermausarten Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreichen. (BUND et al, 2016)

In Deutschland kommen 25 verschiedene Fledermausarten vor. Sie und ihre Quartiere sind gesetzlich streng geschützt. (BUND et al., 2015) Auf dem Dachboden des Hauses in der Bornschen Straße 25 ist ein Sommerquartier des Großen Mausohrs zu finden. Aufgrund dessen ist der Lebensraum durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützt.

Bedrohungen für die Fledermaus

Fledermäuse bevorzugen möglichst naturnahe Landschaften als Jagdreviere. Allerdings gehen insbesondere durch Entwaldung, industrielle Landwirtschaft und durch die Modernisierung von Gebäuden viele Lebensräume der Fledermäuse verloren. Da sie sich von Insekten ernähren, wird durch den Einsatz von Pestiziden ihr Nahrungsangebot stark reduziert. Die Chemikalien können sich zudem im Fettgewebe der Tiere anreichern und ihren Körper vergiften. (BUND et al., 2016)

Auf die Population des Großen Mausohr, welches seine Nahrung gern in Obstplantagen und Streuobstwiesen sucht, wirkt sich der Einsatz von Pestiziden besonders intensiv aus. Und auch der Einsatz von Holzschutzmitteln in Dachböden (den Wochenstuben der Fledermaus) stellt für das Große Mausohr eine Gefahr dar. (BUND et al., 2015)

Neben den anthropogenen (= durch Menschen verursachten) Einflüssen auf den Rückgang der Fledermauspopulationen sind zudem die natürlichen Feinde der Fledermäuse zu erwähnen. Dazu zählen: Marder, Eulen, Greifvögel und Katzen. (BUND et al., 2015)

Quellen

BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (Hrsg.); Brückmann, Tomas & Cameron, Patricia (2016): Fledermäuse retten, Berlin 2016

BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (Hrsg.); Brückmann, Tomas; Cameron, Patricia & Vaupel, Katja (2015): Pestizide Eine Bedrohung für unsere Fledermäuse, Berlin 2015

gefördert durch:

Station 5: Wasser liebe ich!

Station 5: Wasser liebe ich!

Wehre

Wehre werden im Wasserbau als Absperrbauwerke bezeichnet und dienen dem Aufstau, also der Anhebung des Wasserspiegels und der Abflusskontrolle eines Gewässers. Die Ausführung eines Wehres kann je nach Bedarf sowohl beweglich als auch unbeweglich ausfallen. Ziel des Aufstaus des Gewässers kann die Änderung des Gefälles, der Schiffbarmachung, der Wasserkraftnutzung oder auch der Bewässerung sein. Die Wasserseiten eines Wehres werden in Fließrichtung als Ober- bzw. Unterwasser bezeichnet. Ein wichtiger und häufig nicht sichtbarer Bestandteil eines Wehres ist das sogenannte Tosbecken. In dieses gelangt das überfallende Wasser hinter dem Wehr. Das Tosbecken wird in der Regel aus Beton gefertigt und dient der Verzögerung der Strömung sowie der Ausspülung des Flussbettes im Bereich des Wehres.

Der Bau eines Wehres in ein Gewässer stellt immer einen Eingriff in das Ökosystem dar. Das ehemals durchgängige Gewässer wird durch ein Wehr unterbrochen und ist damit für die aquatischen (im Wasser lebenden) Tiere nicht mehr passierbar. Daher werden mittlerweile häufig Fischtreppen gebaut um Fischen die Überwindung der baulichen Anlage zu ermöglichen.

Da im Bereich eines Wehres eine Sogwirkung durch die Wasserwalze im Tosbecken entsteht, besteht für den Menschen Lebensgefahr. Das Baden und Bootfahren in diesem Bereich sollte daher in jedem Fall unterlassen werden. (Stauanlagen – eine nicht zu unterschätzende Gefahr)

Flüsse und Gräben

In der Natur gibt es eine Vielzahl natürlicher Gewässer wie Flüsse, Seen oder auch Teiche. Sofern der Mensch in diese Gewässer nicht mittels diverser Maßnahmen eingegriffen hat, weisen sie einen sehr geringen Unterhaltungsaufwand auf. Im Laufe der Jahrhunderte wurden unsere Gewässer für eine bessere wirtschaftliche Nutzbarkeit des Wassers und der natürlichen Überschwemmungsflächen ihrem Verlauf und Profil teilweise erheblich verändert. Damit das Wasser in ihnen immer möglichst schadlos abfließen kann, bedarf dieser ausgebaute Gewässerzustand einer dauerhaften Erhaltung. Neben der Sicherung des ordnungsgemäßen Wasserabflusses dient die Gewässerunterhaltung heute auch der ökologischen Entwicklung der Gewässer als Lebensraum für Flora und Fauna. (Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie S-A, Gewässerunterhaltung)

Das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes sowie das Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt regeln die rechtliche Lage der Gewässerunterhaltung. Aufgrund ihrer erheblichen wasserwirtschaftlichen Bedeutung sowie ihrer Bedeutung für den Hochwasserschutz werden einige Gewässer als Gewässer I. Ordnung eingestuft. Dazu zählen im Stadtgebiet Haldensleben die Ohre, die Beber, die Olbe und der Mittellandkanal. (Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt) Alle übrigen Gewässer wie Seen oder Teiche, insbesondere aber die Vielzahl an vorhandenen Gräben, sind als Gewässer II. Ordnung klassifiziert. (§§ 4 und 5 Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt)

Gräben sind von Menschenhand angelegte fließende Gewässer, welche der Be- oder Entwässerung des Bodens dienen. Das Stadtgebiet von Haldensleben ist durchzogen von unzähligen Entwässerungsgräben. Hintergrund ist die Lage der Stadt Haldensleben in der Ohreniederung und dem damit einhergehenden niedrigen Grundwasserstand. Mit der Entwässerung des heutigen Stadtgebietes sowie der landwirtschaftlichen Flächen wurde die Landschaft urbar gemacht. Daher sind die Gräben bis heute ein wichtiges Mittel zur Senkung des Grundwasserstandes in der Stadt Haldensleben. Ohne diese Entwässerungsgräben würde der Grundwasserstand innerhalb des Stadtgebietes und der anliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen steigen. Die Folge wären u.a. Vernässungen des Bodens in der Landwirtschaft und feuchte Keller durch eindringendes Grundwasser.

 

Hochwasserschutz

Hochwasser ist eine zeitlich beschränkte Überschwemmung von normalerweise nicht mit Wasser bedecktem Land, insbesondere durch oberirdische Gewässer oder durch in Küstengebiete eindringendes Meerwasser. (§ 72 Wasserhaushaltsgesetz)

Die Eingriffe des Menschen in die Gewässer sowie die umliegende Landschaft zugunsten einer wirtschaftlichen Nutzung haben in der Folge ein erhöhtes Hochwasserrisiko nach sich gezogen. Aufgrund dessen existiert ein Hochwasserschutz, der in Sachsen-Anhalt auf drei Säulen aufbaut:

  1. Natürlicher Wasserrückhalt in der Fläche (Hochwasserflächenmanagement)
  2. Technischer Hochwasserschutz
  3. Hochwasservorsorge

 Unter natürlichem Wasserrückhalt ist der Verbleib des Wassers des Fließgewässers im Bereich des Gewässers selbst oder seiner Einzugs- bzw. Auenbereiche zu verstehen. Im Rahmen von Hochwasserereignissen bieten Überflutungsgebiete Platz für eine schadlose Ausbreitung des Wassers und verzögern den Abfluss. Sofern die Herstellung natürlicher Überschwemmungsgebiete nicht möglich ist oder nicht ausreicht, muss der Schutz von Siedlungen und Verkehrswegen mittels des technischen Hochwasserschutzes realisiert werden. Im Falle eines Hochwassers, welches über die Bemessung der technischen Hochwasserschutzanlagen hinausgeht, muss sich auf die Hochwasservorsorge eingestellt werden. Diese beinhaltet die Flächen-, Bau-, Verhaltens- und Risikovorsorge. (Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Hochwasserschutz)

Quellen

Stauanlagen – eine nicht zu unterschätzende Gefahr (Dr. Johanna Reek, Dr.Annalena Goll)

verfügbar unter https://www.issw.uni-heidelberg.de/md/issw/veranstaltungen/DKV-Sicherheitssymposium_2017/reek_text.pdf, abgerufen am 17.07.2018

 Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt,

Abteilung 2: Naturschutz, Wasserwirtschaft: Gewässerunterhaltung verfügbar unter https://mule.sachsen-anhalt.de/umwelt/wasser/gewaesserunterhaltung/, abgerufen am 17.07.2018

 §§ 4 und 5 Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt vom 16.03.2011, letzte berücksichtigte Änderung 17.02.2017

 Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, verfügbar unter https://lhw.sachsen-anhalt.de/betreiben-unterhalten/flussbereich-schoenebeck/, abgerufen am 17.07.2018

 § 72 Wasserhaushaltsgesetz vom 31. Juli 2009 (BGBl. I S. 2585), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 18. Juli 2017 (BGBl. I S. 2771) geändert worden ist

 Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Hochwasserschutz verfügbar unter https://mule.sachsen-anhalt.de/umwelt/wasser/hochwasserschutz/, abgerufen am 17.07.2018

 gefördert durch:

Station 6: Zu Besuch bei der Quellnymphe

Station 6: Zu Besuch bei der Quellnymphe

Wasservorkommen unserer Erde

Unsere Erdoberfläche ist zu Zwei Dritteln mit Wasser bedeckt. Der Großteil davon, nämlich 97 %, sind jedoch Salzwasser. Nur ca. 3  % des Wasservorkommens unserer Erde ist Süßwasser. Davon stecken wiederum Drei Viertel in Form von Eis in den Gletschern und Eisdecken der Polargebiete. Das meiste flüssige Süßwasser ist Grundwasser und nicht so leicht zugänglich. Der Rest befindet sich in den Oberflächengewässern, in der oberen Bodenschicht, in Lebewesen und der Atmosphäre. (NAJU, 2012)

Die Süßwassermenge unserer Erde erscheint im Vergleich also verschwindend gering und es stellt sich die Frage, ob es denn nicht irgendwann mal aufgebraucht sein muss. Die Antwort dafür liefert der Wasserkreislauf. (NAJU, 2012)

Der Wasserkreislauf

Dem Wasserkreislauf verdanken wir die Erneuerung des Süßwassers auf der Erde.

Das Wasser in den Meeren, Seen und Flüssen, im Boden und auch in den Lebewesen wird durch die Sonne erwärmt und verdunstet. Somit gelangt es in Form von Wasserdampf in die Atmosphäre. Mit absinkender Temperatur gelangt es in Form von Niederschlag zurück in die Meere, Seen und Flüsse sowie in den Boden und wird auf unterschiedliche Weise von den Lebewesen aufgenommen. Ein Teil des Wassers versickert und wird zu Grundwasser. An manchen Stellen (Quellen) gelangt das Grundwasser wieder als sogenanntes Quellwasser zurück an die Erdoberfläche. (NAJU, 2012)

Nymphen

Aufgrund der Unberechenbarkeit der Flüsse, gibt es über sie zahlreiche Sagen und Mythen. Die alten Griechen verehrten z. B. Flussgötter und Nymphen. Die Nymphen symbolisierten die lebensspendende Qualität der Quellen. Wenn eine Quelle versiegte, galt das als Zeichen dafür, dass die dort lebende Nymphe gestorben war. (NAJU, 2012)

Quellen

NAJU-Naturschutzjugend im NABU e. V. (2012): Lebensraum Fluss, Berlin 2012

Rüter, M. (2017): Graphen kann Salzwasser in Trinkwasser verwandeln (21. August 2017) verfügbar unter: www.martina-rüter.de/text-fachtexte-naturwissenschaften/bionik/graphen-kann-salzwasser-in-trinkwasser-verwandeln/ – abgerufen am 06.04.2018

gefördert durch:

Station 7: Grünes Klassenzimmer

Station 7: Grünes Klassenzimmer

Der Pfändegraben

Vor der Bebauung des Pannegrabens, wie der Pfändegraben einst genannt wurde, war der Bereich vor der Stadtmauer mit zwei Gräben gesichert. Dies waren der innere Graben, der auch als Zimmerer Graben bezeichnet wurde und der äußere Graben, auch bekannt als Mühlgraben. Dazwischen befand sich der Stadtwall, später als Fürstenwall betitelt. Ab Mitte der 1850er Jahre bis August 1922 wurde der heutige Pfändegraben als Fürstenwall bezeichnet. (Kurt Körner) Dieser Begriff entstand vermutlich aus einer alten Flurstücksbezeichnung. (Dr. Mar Pahncke) Auch der heute verwendete Name Pfändegraben hat einen historischen Hintergrund. Aus dem „Holzland-ostfälischen“ lässt sich der Begriff pannen mit pfänden übersetzen und der Pannenmann als Pfändemann oder auch Feldhüter. (Kurt Körner) Der Bereich zwischen Stadtmauer und innerem Graben wurde vor der Bebauung als Obst- und Gemüsegarten genutzt. Um möglichen Erntedieben Einhalt zu gebieten, wurde ein Feldhüter, auch Pannemann genannt, eingesetzt. Dieser bewohnte ein Häuschen am Pfändegraben. Erwischte der Feldhüter einen Dieb, pfändete er das gestohlene Gemüse. (Karl Stuhlmann, Hugo Zernial)

In den Jahren 1872 und 1873 entstanden die Eisenbahnverbindungen nach Magdeburg und Oebisfelde. Dies schaffte die Voraussetzung für das Wachstum der Industrie in Haldensleben und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Nun wurde der Platz innerhalb der Stadtmauer für die vielen Stadtbewohner jedoch zu eng. In den darauffolgenden Jahren wurde entschieden, die Gräben in diesem Bereich einzuebnen. Die Lösung dafür war sehr pragmatisch. Ein Schild mit der Aufschrift „Schuttabladeplatz“ veranlasste jedermann die Senken zu verfüllen. Im Anschluss wurde das Schild wieder entfernt und alles eingeebnet. (Der Mitteldeutsche, Nr. 160, 12.06.1944) Im 19. Jhd. entstanden dann die Wohnhäuser und Straße am Pfändegraben. Das heutige Gebäude des Kreis- und Stadtarchiv, früher Hospital, wurde bereits 1871 eingeweiht und gehört zur Bülstringer Straße. Bleibt nur noch die Frage, was es mit dem ominösen Sockel gegenüber der Hausnummer Pfändegraben 8, der einst zu einem Denkmal gehörte, auf sich hat. 1897 wurde auf dem Postplatz ein Denkmal zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. aufgestellt. Es trug die Inschriften „Zur Erinnerung an die Feldzüge 1864. 1866. 1870/71.“ sowie „Errichtet an dem hundertsten Geburtstage Wilhelms I. 22. März 1897“. 1936 wurde es dann zum Pfändegraben versetzt. Wohin es den Kaiser im Strudel der Zeit verschlagen hat, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Geblieben ist bis heute jedoch sein Sockel.

Im Jahr 2005 erfolgte die nächste große Veränderung für den Pfändegraben. Eine Vielzahl von Linden war erkrankt und die Standsicherheit der Bäume konnte nicht mehr gewährleistet werden. Sie mussten daher gefällt werden. An Stelle der alten Bäume wurden jedoch wieder neue Linden (2005 und 2015) gepflanzt, so dass sich uns auch heute wieder das Bild einer wunderschönen Allee bietet. (Volksstimme, 2005)

Der heutige Pfändegraben im Lauf der Zeit...

Gebietsfremde Arten

Der Silber-Ahorn am Pfändegraben ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet. In Europa wird dieser Baum vorrangig in Gärten, Parks und entlang von Straßen angepflanzt. Tier- und Pflanzenarten, die natürlich nicht in Deutschland vorkommen, werden als gebietsfremde Arten bezeichnet. Man unterscheidet dabei zwischen Neozoen für die Fauna, Neophyten für die Flora und Neomyceten für Pilze. Mit dem Beginn des Ackerbaus wurden bereits die ersten Pflanzen eingeführt, welche heute als Archäobiota bezeichnet werden. Mit der Entdeckung des amerikanischen Kontinentes 1492 und dem daraus resultierenden vermehrten transkontinentalen Handel werden die eingebrachten Arten als Neobiota bezeichnet. Unterschieden wird an dieser Stelle, ob es sich um unbeständige oder etablierte Arten handelt. Unbeständige Arten sind häufig nur sehr lokal und zeitlich begrenzt anzutreffen. Die Ansprüche etablierter Arten stimmen dagegen mit den neuen Standortbedingungen überein, so dass ihnen bereits über Generationen eine Vermehrung möglich war. Aufgrund weltweiter Beobachtungen konnte die s.g. „Zehner-Regel“ abgeleitet werden. Demnach halten sich 10 % der eingeführten oder eingeschleppten Arten unbeständig, 10 % davon etablieren sich und 10 % der etablierten Arten erweisen sich als invasiv und damit aufgrund ihrer ökologischen Auswirkungen als unerwünscht. Viele eingeschleppte Arten wurden durch den Menschen wissentlich eingeführt. Vor allem Nutz- und Zierpflanzen wie die Rot-Eiche, aber auch Tiere wie der Waschbär sind beabsichtigt eingeführt worden. Häufig erfolgte die Einfuhr jedoch unbeabsichtigt über die Handelswege beispielsweise durch die Verschleppung von Pflanzensamen oder im Ballastwasser von Schiffen. Insbesondere die invasiven Arten erweisen sich für unsere heimischen Ökosysteme als problematisch, da sie vorhandene Lebensgemeinschaften und Biotope gefährden oder auch eine Gefährdung für den Menschen darstellen. (Bundesamt für Naturschutz) Als Beispiel kann hier der Riesen-Bärenklau genannt werden. Dieser wurde einst als Zierpflanze für Parkanlagen aus dem Kaukasus eingeführt und hat sich dann in ganz Deutschland ausgebreitet. Aufgrund seines schnellen Wuchses, des Wurzelsystems und der erreichten Höhe bis zu 3 m sorgt diese Pflanze für Sichtbeschränkungen, Erosionen und verdrängt heimische Arten. Erschwerend kommt hinzu, dass Riesen-Bärenklau für den Menschen sehr giftig ist und bereits Berührungen ungemein schmerzhaft sind. (Mein schöner Garten)

Um das weitere invasive Eindringen gebietsfremder Arten zu unterbinden sind diverse Maßnahmen anwendbar:

1. Vorsorge
Sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich muss bewusster mit gebietsfremden Arten umgegangen werden. Dies bedeutet die Bevorzugung heimischer Arten und eine Unterbindung der Ausbreitung, z.B. durch Verschleppung von Samen.

2. Monitoring, Früherkennung und Sofortmaßnahmen
Die Beobachtung der Bestandsentwicklung stellt nach § 40 Bundesnaturschutz die Grundlage für eventuelle rechtzeitige Kontroll- oder Bekämpfungsmaßnahmen dar. Das frühzeitige Erkennen invasiver Arten ermöglicht zügige Sofortmaßnahmen zur Beseitigung.

3. Akzeptanz, Kontrolle und Beseitigung
Viele der eingeschleppten Arten in Deutschland haben sich derartig in unsere Ökosysteme integriert, dass eine Entfernung nicht mehr möglich ist. Lediglich in problematischen Fällen wie beim Riesen-Bärenklau ist nach vorheriger Prüfung eine Beseitigung anzustreben. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass die Maßnahmen in Einklang mit den Standortbedingungen stehen, die Vermittelbarkeit der Maßnahmen in der Öffentlichkeit gewährleistet ist, adäquate Mittel zur Beseitigung zur Verfügung stehen und auch Erfolge zu verzeichnen sind. (Bundesamt für Naturschutz)

Das Leben und Sterben eines Baumes

Bäume besitzen einen hohen Wert für unsere Ökosysteme. Sie prägen das Orts- und Landschaftsbild, sie verwandeln das schädliche Treibhausgas CO2 in lebenswichtigen Sauerstoff, wirken als Luftreiniger und sind Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen.

Dieser Lebensraum verändert sich jedoch auch mit dem Alter des Baumes.

Das Alter von Bäumen lässt sich in drei Phasen einteilen. Zur Entwicklungsphase eines Baumes zählt die Zeit von der Keimung des Baumes bis zum Jungstadium und ist durch eine hohe Wachstumsrate und Vitalität (Lebenskraft) gekennzeichnet. In der Reifephase hat der Baum seine optimale Größe und maximale Blütenproduktion erreicht. Das Wachstum des Baumes verläuft sehr gleichförmig. Es treten aber bereits erste kleinere Schäden wie Löcher, Totäste oder Risse auf. Dies bietet Insekten und Pilzen die Möglichkeit den Baum zu besiedeln. In der Altersphase eines Baumes nehmen die Vitalität und damit auch das Wachstum eines Baumes ab. Anfangs wird die Krone lichter und die Versorgung des Baumes mit Wasser und Nährstoffen beschränkt sich auf den inneren Kronenteil. Die absterbenden oder schon abgestorbenen Bereiche des Baumes werden weiter von Pilzen und Insekten besiedelt, welche auch das Holz abbauen. Mit der Verkleinerung der Krone wird auch der Stamm des Baumes nicht mehr vollständig versorgt, so dass auch dieser nach und nach abstirbt. Gerade die letzte Phase eines Baumes kann auf Grund eines neuen Gleichgewichtes zwischen Stamm und Blattwerk sehr lang anhalten. Zugleich ist ein alter Baum mit seinen Höhlungen, Totästen und Rissen Lebensraum für diverse Tier- und Pilzarten. Sobald der Stamm durch die Zersetzungsprozesse instabil geworden und die Krone eingebrochen ist, wird er von den verschiedensten Organismen (Tier, Pilze, Bakterien) zersetzt und dem Nährstoffkreislauf wieder zugeführt. (Naturschutz und Denkmalpflege in historischen Parkanlagen)

Quellen

Kurt Körner, haldensleber Straßennamen, Geschichtswerkstatt der Kreisvolkshochschule

Dr. Mar Pahncke, Allerlei Kund von der alten Stadt Haldensleben, 1924

Karl Stuhlmann, Heimatgeschichte der Stadt Haldensleben, 1939

Hugo Zernial, Aus der alten Stadt, Neuhaldensleber Erinnerungsbilder aus den 30er, 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, 1902

Der Mitteldeutsche, Nr. 160, 12.06.1944

Volksstimme, Dezember 2005

Bundesamt für Naturschutz, Gebietsfremde und invasive arten in Deutschland, verfügbar unter https://neobiota.bfn.de/grundlagen/oekologische-grundlagen.html, abgerufen am 18.07.2018

Mein Schöner Garten, Riesen-Bärenklau, verfügbar unter https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/herkulesstaude-baerenklau/riesenbaerenklau-herkulesstaude-heracleum-mantegazzianum, abgerufen am 18.07.2018

Naturschutz und Denkmalpflege in historischen Parkanlagen, verfügbar unter https://naturschutz-und-denkmalpflege.projekte.tu-berlin.de/pages/leitfaden-biotopholz/altbaeume-als-lebensraum/lebensphasen.php, abgerufen am 19.07.2018

 

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Station 8: Tiere in der Stadt

Station 8: Tiere in der Stadt

Turmfalke

Turmfalken haben in Städten eine Vorliebe für Brutplätze in Kirchtürmen, hohen Masten und anderen hohen Gebäuden mit Öffnungen. Daher hat der rotbraun gefärbte Falke, der zu den Greifvögeln zählt, wohl auch seinen Namen erhalten. In der freien Landschaft nutzt der Turmfalke vorwiegend Felsabbrüche, kleine Höhlen im Gestein oder alte Krähen- und Elsternnester an Waldrändern, in Feldgehölzen oder auf einzeln stehenden Bäumen. (NABU)

Auf dem Speiseplan des Turmfalken zählen in der freien Landschaft vorwiegend Feld- und Wühlmäuse. Sofern diese wie in der Stadtlandschaft nicht zur Verfügung stehen, jagen sie auch kleinere Vögel, Insekten oder Eidechsen. Getötet werden diese mit einem gezielten Biss in die Wirbelsäule. Der Schnabel weist für diese Art des Tötens eine kleine Besonderheit auf, den sog. „Falkenzahn“. Dies ist eine kleine Ausbuchtung der oberen Schnabelscheide. Seine Fänge benutzt der Turmfalke daher nur zum Festhalten seiner Beute. (LBV, Turmfalke)

Durch sein breites Lebensraumspektrum ist der Turmfalke in Europa sehr häufig anzutreffen. In Deutschland leben etwa 50.000 Turmfalkenpaare und in ganz Mitteleuropa etwa 90.000. Damit gilt der Turmfalke als häufigste Falkenart Mitteleuropas. (NABU)

Mauerbiene

Wildbienen zählen zu den Solitärbienen und verbringen ihr Leben, welches nur vier bis sechs Wochen andauert, damit für sich allein und zurückgezogen. Als Lebensraum dienen ihnen sandiger Boden, Feldwege, Lösswände, Abbruchkanten, Fugen und Spalten in alten Gemäuern, hohle Stängel, morsches Holz, Fraßgänge anderer Holzbewohner oder auch leere Schneckenhäuser. Den Winter verbringt die Mauerbiene in einer Brutzelle, die sie in ihrer Behausung angelegt hat. Mit den ersten warmen Tagen im Frühjahr wagt sie sich dann hinaus und beginnt emsig ihr Tagwerk. Dabei baut sie ca. 20 bis 40 Brutzellen an in den ein stiftförmiges Ei abgelegt wird. Bevor sie die Brutzellen verschließt lagert sie dort noch Pollen als Eiweißlieferant und Nektar der Pflanzen für die Versorgung der Brut ab. Aus dem abgelegten Ei schlüpft schon nach wenigen Tagen eine kleine Made, die sich innerhalb von zwei bis vier Wochen zu einer Mauerbiene entwickelt. Diese wird dann von einer Drohne (Männchen) begattet und der gesamte Lebenszyklus beginnt von neuem. (Das Nest der Mauerbiene)

Mauersegler

Mauersegler sind als Luftkünstler in Perfektion zu bezeichnen. Sie verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft und schlafen sogar dort. Sogar die Nahrungssuche, Wasseraufnahme und Paarung werden in luftiger Höhe absolviert. Einige Vögel verbringen mehr als 10 Monate ohne Bodenkontakt in der Luft. (NTV) Dennoch benötigen auch Mauersegler einen Brutplatz für die Jungen. Ursprünglich sind die Tiere, die Schwalben sehr ähnlich sehen, Felsbrüter. Mit dem Vordringen des Menschen in die Lebensräume der Mauersegler fanden diese neue Brutmöglichkeiten in Wohnhäusern, Kirchen oder Bahnhöfen. (LBV, Mauersegler)

Während des deutschen Winters ziehen die Vögel zum Überwintern in den Süden von Afrika. Dort haben sie jedoch kein festes Winterquartier, sondern folgen den günstigsten Witterungs- und Nahrungsverhältnissen. In der Zeit von Mitte April bis Mitte Mai kehren sie dann nach Europa zurück. (Deutsche Gesellschaft für Mauersegler e.V.)

Mit der Sanierung vieler Häuser in unseren Dörfern und Städten fallen viele Brutplätze für die Luftkünstler weg. Um den Tieren dennoch Nistgelegenheiten zu bieten, können spezielle Brutkästen am Haus angebracht werden. Die Anleitung ist unter der Internetadresse https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/vogelschutz/mauersegler-nistkasten.pdf des NABU zu finden. Angst vor Verschmutzungen des Hauses wie bei Schwalben muss man nicht haben. Die Elterntiere entsorgen die Ausscheidungen derJungvögel um keine Nesträuber wie Marder anzulocken. (LBV)

Quellen

Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), der Turmfalke, verfügbar unter https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2007-turmfalke/wissen.html, abgerufen am 19.07.2018

Landesbund für Vogelschutz (LBV) e.V., Turmfalke, verfügbar unter https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/turmfalke/, abgerufen am 19.07.2018

Das Nest der Mauerbiene, verfügbar unter https://www.wildbienenschutz.de/wildbienen/nest-der-mauerbiene.html, abgerufen am 31.07.2018

NTV, verfügbar unter https://www.n-tv.de/wissen/Mauersegler-koennen-Monate-nonstop-fliegen-article18955921.html, abgerufen am 23.07.2018

Landesbund für Vogelschutz (LBV) e.V., Mauersegler, verfügbar unter https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-haus/mauersegler/, abgerufen am 19.07.2018

Deutsche Gesellschaft für Mauersegler e.V., verfügbar unter https://www.mauersegler.com/swift/, abgerufen am 20.07.2018

Abb. 1 Turmfalke, verfügbar unter http://www.naturschule.com/Monatstier-2006/Okt-06/Turmfalke%20-%20rechts.htm, abgerufen am 31.07.2018

Abb. 2: Mauerbiene, verfügbar unter https://www.insekten-sachsen.de/Pages/TaxonomyBrowser.aspx?id=233172, abgerufen am 31.07.2018

Abb. 3: Mauersegler, verfügbar unter http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20776-2016-10-28.html, abgerufen am 31.07.2018

 

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