Von der  Keramischen Fabrik Uffrecht & Co zum Kommunikationszentrum Kulturfabrik

Alte Keramikfabrik vor dem Umbau zur KulturFabrikDie keramische Industrie spielte in der Gründerzeit und in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts die bestimmende Rolle in der wirtschaftlichen Struktur Haldenslebens. Der Magdeburger Kaufmann Johann Gottlob Nathusius begründete neben vielen anderen Gewerken die erste Steingutmanufaktur 1813 in Althaldensleben.  1824 fügte der berühmte Industrielle eine Porzellanmanufaktur zu seinem produktiven Mikrokosmos hinzu  - der Grundstein für die Entwicklung eines ganzen Wirtschaftszweiges in Haldensleben war gelegt. Aus ganz Deutschland warb Nathusius Facharbeiter für seine Manufakturen an. Viele Beschäftigte dieser Manufaktur waren Meister ihres Faches und so war es eine logische Entwicklung, daß manche von ihnen eigene Betriebe gründeten.

Einige dieser Betriebe wuchsen zu bedeutenden Unternehmen der Branche heran. Zeitweilig waren 35 Prozent der Haldensleber von der Keramikindustrie abhängig. Als einer dieser bedeutenden Betriebe kann die Firma Uffrecht & Co bezeichnet werden. Unternehmensgründer war der 1817 in Ulm geborene Jacob Uffrecht, der nach Wanderschaft und ersten Berufsjahren in Althaldensleben zunächst eine Tonwarenmanufaktur, 1854 dann in Neuhaldensleben einen neuen Betrieb gründete.

Die heutige Kulturfabrik wurde 1881 als Betriebsteil dieser Firma Uffrecht & Co errichtet und war der erste große Bau der Stadterweiterung in südwestlicher Richtung. Im Gebäude der heutigen Kulturfabrik verwirklichte Uffrecht industrielle Produktionsweisen für Zier- und Haushaltskeramik. Im Parterre befanden sich die Brennöfen, die Sortierung und der Versand. Im ersten Stock waren die Dekoration und die Glasiererei untergebracht, während die Formgebung im zweiten Stock beheimatet war.

Die Firma Uffrecht & Co, zunächst von drei Uffrecht-Söhnen betrieben, ging nach der Weltwirtschaftskrise in die Carstens-Uffrecht KG und - im Wege der Enteignung - in den VEB Keramische Werke Haldensleben über. Bis 1976 wurde in diesem Gebäude Zierkeramik und Gebrauchsgeschirr produziert.

1992 erwarb die Stadt Haldensleben das ehemalige Dienstleistungskombinat Haldensleben, das seinen Sitz in den (bis 1976 vom VEB Keramische Werke genutzten) Alten Keramischen Werken an der Hagenstraße hatte. Ein Großteil der Fläche wurde zum Bau der heutigen Hagenpassage weiter veräußert. Im 1881 entstandenen ältesten noch erhaltenen Teil des Werkes entstand die heutige KulturFabrik. Dazu wurden das Dach und die Fassade völlig erneuert. Viele Decken mußten ganz oder teilweise erneuert werden, da sie nicht ausreichend tragfähig waren. Für Nebenräume, Sanitärräume, das Treppenhaus und den Aufzug entstand ein angebauter Glasturm. Die Südseite erhielt eine neue Giebelwand mit einer großzügigen Verglasung, die die Veranstaltungsräume und die Lesezone der Bibliothek angenehm erhellt.