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Warum Schottergärten problematisch sind!

Schottergärten sind in den vergangenen Jahren in vielen Vorgärten entstanden. Oft werden sie als besonders pflegeleicht, ordentlich und modern wahrgenommen. Viele Menschen wünschen sich attraktive Gärten, die wenig Arbeit machen und auch mit trockenen Sommern gut zurechtkommen.

Doch erfüllen Schottergärten diese Erwartungen tatsächlich? Und welche Auswirkungen haben sie auf Klima, Pflanzen, Tiere und den Boden?

Genau diesen Fragen geht das Klima-Schaubeet nach. Anhand eines kleinen Schotterbeets im Vergleich mit artenreichen Staudenbeeten wird sichtbar, wie unterschiedlich sich die Flächen entwickeln und welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Gestaltungsformen mit sich bringen. Dabei zeigt sich: Begrünte Flächen können nicht nur attraktiv aussehen, sondern bieten häufig auch einen deutlichen Mehrwert für Mensch, Natur und Klima.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Nach § 8 der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt sind nicht überbaute Flächen bebauter Grundstücke als Grünflächen herzustellen und zu unterhalten, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung benötigt werden. Reine oder überwiegend vegetationslose Schottergärten entsprechen diesen Anforderungen in der Regel nicht und sind daher bauordnungsrechtlich unzulässig. Bei Verstößen müssen die betroffenen Grundstückseigentümer mit einem Bußgeld und der Aufforderung zum Umbau des Schottergartens rechnen.

In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, welche Auswirkungen Schottergärten auf das Mikroklima, die biologische Vielfalt, den Boden sowie den Pflegeaufwand haben und warum naturnah bepflanzte Flächen eine interessante Alternative sein können.

Auswirkungen auf das Mikroklima

An heißen Sommertagen macht es einen großen Unterschied, ob eine Fläche mit Pflanzen begrünt oder mit Steinen bedeckt ist. Pflanzen können im Kleinen wie eine natürliche Klimaanlage wirken: Sie beschatten den Boden und geben über ihre Blätter Wasser an die Umgebung ab. Dieser Prozess der Verdunstung entzieht der Umgebung Wärme und trägt zu einem angenehmeren Mikroklima bei.

Schotterflächen verhalten sich dagegen anders. Steine können sich bei Sonneneinstrahlung stark aufheizen und Wärme speichern. Auch nach Sonnenuntergang geben sie diese Wärme noch über längere Zeit an die Umgebung ab. Dadurch bleiben die Temperaturen im direkten Umfeld länger hoch und die nächtliche Abkühlung kann erschwert werden.

Besonders in Städten und Siedlungen kann dies die Hitzebelastung zusätzlich verstärken. Während begrünte Flächen Kühlung beitragen, können vegetationsarme Schotterflächen kleine „Hitzeinseln“ bilden und sich negativ auf das lokale Mikroklima auswirken.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich beim Wasserhaushalt. Pflanzen und durchwurzelte Böden können Niederschläge aufnehmen, speichern und über Verdunstung wieder an die Umgebung abgeben. Bei Schottergärten fehlt dieser natürliche Kühlungseffekt weitgehend. Wird zusätzlich Vlies oder Folie eingebaut oder ist der Untergrund verdichtet, können auch Versickerung und Bodenfunktionen eingeschränkt werden.

Auswirkung auf Tiere und Pflanzen

Jeder Garten und Vorgarten kann ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein. Blühende Stauden liefern Nahrung für Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele andere Insekten. Gräser, Stauden, Samenstände und abgestorbene Pflanzenteile schaffen zudem Schutz, Rückzugsorte und Überwinterungsmöglichkeiten. Wo viele verschiedene Pflanzen wachsen und über einen langen Zeitraum Blüten, Samen und Strukturen vorhanden sind, finden oft auch Käfer, Vögel und andere Tiere geeignete Lebensbedingungen. Schon kleine Beete können daher einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten.

Besonders wertvoll sind naturnah gestaltete Pflanzungen mit unterschiedlichen Wuchshöhen, Blühzeiten und Strukturen. Sie bieten Schutz vor Witterung und Fressfeinden. Viele Insekten nutzen Pflanzenstängel, Laubbereiche oder den Boden zur Überwinterung oder Eiablage. Wildbienen nisten je nach Art im Boden, in vorhandenen Hohlräumen, in alten Fraßgängen im Totholz oder in markhaltigen beziehungsweise hohlen Stängeln. Auch Schmetterlinge profitieren nicht nur von Nektarpflanzen, sondern benötigen für ihre Raupen geeignete Futterpflanzen. Vögel finden zwischen den Pflanzen Deckung, Samen und Insekten als Nahrung.

In Schottergärten fehlen diese Strukturen. Da nur wenige oder gar keine Pflanzen vorhanden sind, finden Insekten kaum Nahrung. Auch Verstecke, Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten sind selten. Selbst einzelne Nisthilfen oder dekorativ ausgelegte Totholzstücke können diesen Mangel meist nicht ausgleichen. Ein Stück Totholz erfüllt seine ökologische Funktion nur dann, wenn es Teil eines lebendigen und vielfältigen Lebensraums ist. In einer überwiegend steinigen Fläche bleibt sein Nutzen daher oft sehr begrenzt.

Besonders Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber sind auf blühende Pflanzen angewiesen. Fehlen diese Nahrungsquellen, verschwinden oft auch die Tiere, die von ihnen leben. Davon betroffen sind wiederum Vögel und andere Arten, die Insekten als Nahrung benötigen.

Auch der Boden leidet unter Schotterflächen. Häufig werden Vliese oder Folien eingebaut oder der Untergrund wird verdichtet. Dadurch werden der Austausch zwischen Boden und Oberfläche, die Durchwurzelung und die natürliche Bodenentwicklung eingeschränkt. Dadurch verschlechtern sich die Lebensbedingungen für Regenwürmer, Käfer und viele Mikroorganismen, die für einen gesunden Boden unverzichtbar sind.

Naturnah bepflanzte Flächen leisten dagegen einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt. Schon kleine Staudenbeete können Nahrung, Schutz und Lebensraum für zahlreiche Tiere bieten. Je vielfältiger die Bepflanzung, je länger das Blütenangebot und je strukturreicher die Fläche gestaltet ist, desto größer ist in der Regel auch ihr ökologischer Nutzen.

Auswirkungen auf den Boden und Wasserhaushalt

Ein gesunder Boden speichert Wasser, versorgt Pflanzen mit Nährstoffen, bietet Lebensraum für unzählige Bodenorganismen und hilft dabei, Regenwasser aufzunehmen. Begrünte Flächen unterstützen diese natürlichen Funktionen und tragen dazu bei, dass Wasser möglichst lange im Boden gehalten und für Pflanzen verfügbar bleibt.

In bepflanzten Beeten durchdringen Pflanzenwurzeln den Boden auf und schaffen feine Hohlräume, durch die Regenwasser versickern kann. Gleichzeitig schützen Pflanzen und Mulchschichten die Bodenoberfläche vor Austrocknung und Erosion. Ein Teil des Wassers wird im Boden gespeichert und steht den Pflanzen später wieder zur Verfügung. Zudem geben die Pflanzen über ihre Blätter Wasser an die Umgebung ab und tragen so zur Kühlung bei.

Bei Schottergärten fehlen diese natürlichen Prozesse weitgehend. Häufig werden unter der Steinschicht Vliese oder Folien eingebaut und die Flächen nur spärlich bepflanzt. Dadurch wird der Boden von seiner Umgebung getrennt. Regenwasser kann nur spärlich durch die Steinschicht gelangen und wird deutlich schlechter im Boden gespeichert und von Pflanzen genutzt. Stattdessen gelangt es häufig schneller in die Entwässerungssysteme oder fließt oberflächlich ab.

Auch das Bodenleben leidet unter Schotterflächen. Die starke Erwärmung der Steine, fehlende Pflanzenwurzeln, wenig organisches Material und trockene Bedingungen schaffen ungünstige Lebensbedingungen für Regenwürmer, Pilze, Bakterien und andere Bodenorganismen. Mit der Zeit kann die biologische Aktivität des Bodens abnehmen. Dadurch werden wichtige Funktionen wie die Speicherung von Wasser, der Abbau organischer Stoffe oder die natürliche Bodenbildung beeinträchtigt.

Naturnah bepflanzte Flächen fördern dagegen ein aktives Bodenleben. Pflanzenwurzeln, Bodenorganismen, Pilze und Mikroorganismen wirken zusammen und sorgen dafür, dass Wasser gespeichert, Nährstoffe bereitgestellt und organische Stoffe abgebaut werden können. Auch bestimmte Schadstoffe können im Boden teilweise zurückgehalten werden, gebunden oder durch Bodenorganismen abgebaut werden. So bleibt der Boden langfristig fruchtbar und widerstandsfähig gegenüber Trockenheit.

Gerade angesichts zunehmender Hitzetage und häufiger Starkregenereignisse gewinnen diese Funktionen immer mehr an Bedeutung. Begrünte Flächen helfen dabei, Wasser im natürlichen Kreislauf zu halten, den Boden als wichtigen Wasserspeicher zu erhalten und den oberflächlichen Abfluss zu verringern. Damit können sie dazu beitragen, die Folgen von Trockenperioden und Starkregen besser abzumildern

Herstellungs- und Folgekosten - Staudenbeete und Schottergarten im Vergleich

Herstellungskosten

Bei beiden Gestaltungsformen entstehen zunächst Kosten für die Vorbereitung der Fläche. Oft wird angenommen, dass Schottergärten weniger Arbeit machen und langfristig günstiger sind als bepflanzte Flächen. Tatsächlich unterscheiden sich die Kosten häufig weniger als erwartet. Die tatsächlichen Kosten hängen unter anderem von der Flächengröße, Ausgangsboden, Materialwahl, Eigenleistung und Pflegeanspruch ab. Folgende Kostenpunkte sind in der Herstellung zu erwarten:

Staudenmischpflanzung

  • Bodenvorbereitung und ggf. Bodenaustausch
  • Substrat und Mulch
  • Stauden, Gräser und ggf. Blumenzwiebeln
  • Pflanzarbeiten (sofern diese nicht in Eigenleistung erfolgen)
  • Bewässerung und ggf. Pflege während der Anwuchsphase

Schottergarten

  • Bodenvorbereitung und ggf. Bodenaustausch
  • Tragschicht oder Unterbau, je nach Ausführung
  • Unkrautvlies oder Folie
  • Schotter, Kies oder Splitt
  • Einbau und Verteilung der Materialien
  • häufig größere Materialmengen und entsprechender Transportaufwand

Während bei Staudenbeeten ein großer Teil der Kosten in lebendige Pflanzen investiert wird, entfällt bei Schottergärten ein erheblicher Anteil auf mineralische Baustoffe, Unterbau und Einbau. Schottergärten sind daher nicht zwangsläufig günstiger als bepflanzte Flächen.

Langfristige Kosten

Staudenmischpflanzungen

  • regelmäßige Pflege und Unkrautkontrollen, besonders in den ersten Jahren (sofern diese nicht in Eigenleistung erfolgen)
  • Bewässerung während der Anwuchsphase
  • Rückschnitt (sofern dieser nicht in Eigenleistung erfolgt)
  • gelegentliche Nachpflanzungen
  • Nachmulchen bei Bedarf
  • bei längeren Trockenphasen ggf. zusätzliche Bewässerung in den Folgejahren

Sind Staudenflächen gut eingewachsen und standortgerecht geplant, reduziert sich der Pflegeaufwand in der Regel deutlich. Eine grundlegende Erneuerung ist meist nicht erforderlich, wenn die Fläche regelmäßig gepflegt wird.

Schottergarten

  • Reinigung von Laub, Moosen und Verschmutzungen (sofern dies nicht in Eigenleistung erfolgt)
  • Entfernung von Unkraut (sofern dies nicht in Eigenleistung erfolgt)
  • Nachfüllen oder Austauschen von Schotter
  • mögliche Erneuerung von Vlies oder Trennschichten
  • teilweise grundlegende Überarbeitung oder Rückbau nach einigen Jahren

Fazit:

Bei Staudenmischpflanzungen entstehen die meisten Kosten zu Beginn und während der Anwuchsphase. Langfristig entwickeln sie sich jedoch bei guter Pflege meist zu stabilen und dauerhaften Pflanzungen mit überschaubarem Pflegeaufwand. Schottergärten wirken zunächst pflegearm, benötigen aber häufig regelmäßige Reinigungsarbeiten und können nach einigen Jahren eine aufwendige Überarbeitung erforderlich machen. Langfristig sind sie daher nicht automatisch günstiger als naturnah bepflanzte Flächen.

Staudenmischpflanzung oder Schottergarten – was ist wirklich pflegeleichter?

Schottergärten werden häufig als besonders pflegeleicht wahrgenommen. Tatsächlich zeigt sich jedoch oft ein anderes Bild: Während der Pflegeaufwand in den ersten Jahren gering erscheint, nimmt er mit der Zeit häufig zu. Staudenmischpflanzungen benötigen dagegen vor allem während der Anwuchsphase etwas Aufmerksamkeit. Sind sie gut eingewachsen, standortgerecht geplant und regelmäßig gepflegt, entwickeln sie sich meist zu stabilen Pflanzungen mit vergleichsweise geringem Pflegeaufwand.

Unkrautdruck

In Staudenmischpflanzungen schließen die Pflanzen mit der Zeit die Fläche. Dadurch bleibt wenig Platz für unerwünschten Aufwuchs. Einzelne Wildkräuter müssen zwar weiterhin entfernt werden, der Aufwand nimmt jedoch meist ab, sobald die Pflanzung gut eingewachsen ist.

Bei Schottergärten nimmt der Unkrautdruck dagegen häufig zu. Zwischen den Steinen sammeln sich mit der Zeit Laub, Staub und anderes organische Materialien an. Daraus entsteht ein Keimbett, in dem Wildkräuter wachsen können. Die Entfernung ist oft aufwendiger als in bepflanzten Flächen.

Grundüberholung

Staudenmischpflanzungen können bei fachgerechter Anlage und regelmäßiger Pflege viele Jahre bis Jahrzehnte bestehen. Die Artenzusammensetzung bzw. die Anteile einzelner Pflanzenarten können sich im Laufe der Zeit verändern. Eine vollständige Erneuerung ist jedoch meist nicht erforderlich.

Bei Schottergärten verschlechtert sich das Erscheinungsbild oft nach etwa 8 bis 15 Jahren deutlich. Organisches Material lagert sich zwischen den Steinen ab, Unkraut und Moose nehmen zu und die Steinschicht kann verschmutzen. Häufig wird dann eine grundlegende Überarbeitung notwendig. Dabei müssen Steine gereinigt oder ausgetauscht, Vliese erneuert und teilweise neue Schotterschichten eingebaut werden.

Fazit:

Staudenmischpflanzungen benötigen in den ersten Jahren etwas mehr Aufmerksamkeit. Danach entwickeln sie sich bei fachgerechter Pflege jedoch meist zu dauerhaft stabilen und pflegearmen Pflanzungen. Schottergärten wirken zunächst pflegeleicht, verursachen langfristig jedoch häufig einen steigenden Reinigungs- und Pflegeaufwand sowie zusätzliche Kosten für Sanierung und Erneuerung.