Biodiversität und Klimaaspekte von Staudenflächen
Staudenflächen sind weit mehr als nur attraktive Beete. Sie schaffen Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Bodenschutz. Von den ersten Blüten im Frühjahr bis zu den Samenständen im Winter bieten sie Nahrung, Schutz und Rückzugsorte für viele Arten. Gleichzeitig helfen sie dabei, Wasser im Boden zu halten, die Umgebung zu kühlen und die natürlichen Funktionen des Bodens zu erhalten.
Das Besondere dabei: Viele dieser Leistungen bleiben auf den ersten Blick verborgen. Unter der Oberfläche arbeiten Pflanzenwurzeln, Bodenorganismen und Mikroorganismen zusammen. Über der Erde finden Insekten, Vögel und andere Tiere Nahrung und Lebensraum. So entstehen lebendige und widerstandsfähige Grünflächen, die Mensch, Natur und Klima gleichermaßen zugutekommen.
Warum sind Staudenflächen wichtig für die Artenvielfalt?
Staudenflächen sind weit mehr als dekorative Beete. Sie bilden kleine, aber wichtige Lebensräume für zahlreiche Tierarten, Pflanzen und Bodenorganismen und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur biologischen Vielfalt. Je vielfältiger die Bepflanzung ist, desto mehr Tiere finden Nahrung, Schutz und geeignete Lebensbedingungen.
Besonders wichtig sind blütenreiche Staudenflächen für Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele andere Insekten. Die verschiedenen Pflanzenarten blühen zu unterschiedlichen Zeiten und stellen dadurch vom Frühjahr bis in den Herbst Nektar und Pollen bereit. In den Wintermonaten bieten Stängel, Blätter, Samenstände und der Boden selbst Nistplätze, Rückzugsorte und Überwinterungsmöglichkeiten.
Von dieser Vielfalt profitieren nicht nur Insekten. Viele Vogelarten ernähren sich von Insekten oder nutzen Samenstände als Nahrungsquelle. Andere Tiere finden zwischen den Pflanzen Schutz vor Witterung und Fressfeinden. Staudenflächen sind damit Teil eines größeren ökologischen Netzwerks, in dem zahlreiche Arten miteinander verbunden sind. Fällt ein Teil dieses Netzwerks weg, kann sich das auch auf viele weitere Tier- und Pflanzenarten auswirken.
Darüber hinaus erfüllen artenreiche Pflanzungen wichtige Ökosystemleistungen. Sie fördern die Bestäubung, unterstützen ein aktives Bodenleben, verbessern die natürliche Wasserspeicherung und tragen durch Beschattung und Verdunstung zur Kühlung ihrer Umgebung bei. Zudem schaffen sie Lebensräume direkt vor unserer Haustür und können Gärten, Grünflächen und Parks als kleine Trittsteine miteinander verbinden.
Im Klima-Schaubeet kommen sowohl heimische als auch nicht heimische Staudenarten zum Einsatz. Heimische Pflanzen sind oft besonders wertvoll für spezialisierte Insektenarten, da sie sich gemeinsam mit ihnen entwickelt haben. Nicht heimische Stauden können die Pflanzung sinnvoll ergänzen, wenn sie ungefüllte Blüten, Pollen und Nektar anbieten, gut zu den Standortbedingungen passen und sich nicht invasiv ausbreiten. Wichtig ist daher eine vielfältige, strukturreiche und standortgerechte Pflanzung mit einem möglichst langen Blütenangebot sowie Rückzugsorten für Herbst und Winter.
So zeigen Staudenmischpflanzungen, dass attraktive und pflegearme Beete einen wertvollen Beitrag für die Artenvielfalt leisten können.
Warum ist ein Staudenbeet auch im Winter wertvoll?
Ein naturnahes Staudenbeet ist nicht nur während der Blütezeit wertvoll. Es bietet zahlreichen Tieren, Insekten und Bodenlebewesen das ganze Jahr über Nahrung, Schutz und Lebensraum. Während im Frühjahr und Sommer vor allem die Blüten im Mittelpunkt stehen, übernehmen im Herbst und Winter Samenstände, Stängel, Laub und abgestorbene Pflanzenteile wichtige Aufgaben.
Viele Insekten nutzen Stängel, Pflanzenreste, Laubbereiche oder den Boden zwischen den Stauden als Winterquartier. Einige Arten überwintern als Ei, Larve oder Puppe direkt an der Pflanze. Werden Stauden erst im Frühjahr zurückgeschnitten, bleiben diese wertvollen Rückzugsorte über den Winter erhalten.
Auch Vögel profitieren von naturnahen Pflanzungen. Die Samenstände vieler Stauden dienen im Herbst und Winter als natürliche Nahrungsquelle. Außerdem bieten die dichten Pflanzenstrukturen Schutz vor Witterung und Fressfeinden. Was auf den ersten Blick „unaufgeräumt“ wirkt, ist für viele Tiere überlebenswichtig.
Besonders wertvoll sind strukturreiche Pflanzungen mit unterschiedlichen Wuchshöhen, Gräsern, Stauden und ergänzenden Elementen wie Totholz, Steinen oder Laubbereichen. Sie schaffen zahlreiche kleine Lebensräume auf engem Raum und bieten verschiedenen Tierarten passende Bedingungen. Je vielfältiger die Strukturen sind, desto mehr Arten können davon profitieren.
Staudenflächen leisten damit weit mehr als nur einen Beitrag zur Verschönerung von Gärten und Grünanlagen. Sie schaffen lebendige Lebensräume, die vom zeitigen Frühjahr bis weit in den Winter hinein genutzt werden und so die Artenvielfalt dauerhaft fördern.
Was passiert im Boden?
Unter einem Staudenbeet verbirgt sich eine faszinierende Welt. Im Boden leben unzählige Organismen: von Regenwürmern über Käferlarven, Springschwänze und Milben bis hin zu Pilzen, Bakterien und anderen Mikroorganismen. In einer Handvoll gesunder Erde können mehr Organismen leben, als Menschen auf der Erde existieren. Gemeinsam bilden sie das sogenannte Bodenleben.
Die Pflanzen spielen dabei eine wichtige Rolle. Mit ihren Wurzeln lockern sie den Boden auf und schaffen feine Hohlräume. Dadurch können Luft und Wasser besser in den Boden eindringen. Gleichzeitig geben die Wurzeln Stoffe an den Boden ab, die vielen Mikroorganismen als Nahrung dienen. Dadurch entsteht ein enges Zusammenspiel zwischen Pflanzen, Pilzen, Bakterien und weiteren Bodenlebewesen.
Besonders wichtig sind Regenwürmer. Sie durchmischen den Boden, zersetzen abgestorbene Pflanzenreste und legen ein weit verzweigtes Gangsystem an. Diese Gänge verbessern die Durchlüftung und helfen dabei, Regenwasser tiefer in den Boden zu leiten. Dadruch entstehen stabile Bodenstrukturen, die das Pflanzenwachstum fördern.
Auch abgestorbene Blätter, Stängel und Wurzeln erfüllen eine wichtige Aufgabe. Sie werden von Bodenorganismen zersetzt und nach und nach in Humus umgewandelt. Dadurch werden Nährstoffe wieder für die Pflanzen verfügbar gemacht und die Fähigkeit des Bodens verbessert, Wasser zu speichern.
Auch für den Klimaschutz ist ein lebendiger Boden wichtig. Stauden nehmen CO₂ aus der Luft auf und speichern einen Teil des Kohlenstoffs in Wurzeln und Boden. Wird der Boden nicht regelmäßig umgegraben und durch Pflanzen oder Mulch bedeckt gehalten, bleibt dieser Kohlenstoff länger gebunden und die Bodenstruktur sowie der Humusgehalt kann sich besser entwickeln.
Ein lebendiger Boden ist daher weit mehr als nur ein Standort für Pflanzen. Er speichert Wasser, stellt Nährstoffe bereit, baut organische Stoffe ab und bildet die Grundlage für gesunde und widerstandsfähige Pflanzungen. Naturnah bepflanzte Staudenflächen fördern diese natürlichen Prozesse und tragen dazu bei, dass der Boden langfristig fruchtbar und leistungsfähig bleibt.
Warum sind Totholz und Steinhaufen so wertvoll?
Totholz und Steinhaufen wirken auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar. Für viele Tiere sind sie jedoch wichtige kleine Lebensräume. Zwischen Ästen, Rinde, Steinen und Hohlräumen entstehen Verstecke, Nistplätze, Sonnenplätze und Winterquartiere.
Totholz steckt voller Leben. Käfer, Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, einige Wildbienenarten und viele andere Kleintiere nutzen abgestorbene Äste und Holzstücke als Unterschlupf, Nahrung oder Brutplatz. Einige Wildbienenarten nisten zum Beispiel in alten Fraßgängen von Käfern oder in Ritzen und Hohlräumen. Auch Pilze und Mikroorganismen bauen das Holz langsam ab und führen Nährstoffe in den natürlichen Kreislauf zurück. Vögel profitieren ebenfalls, weil sie im Totholz Insekten und Larven finden. Besonders wertvoll ist Totholz, wenn es über längere Zeit an Ort und Stelle bleiben darf und langsam verrottet.
Steinhaufen bieten vor allem warme, trockene und geschützte Lebensräume. Die Steine speichern Sonnenwärme und schaffen in ihren Zwischenräumen Rückzugsorte. Davon profitieren zum Beispiel Insekten, Spinnen und bei geeigneten Bedingungen auch Eidechsen. Besonders wertvoll sind Steinhaufen an sonnigen, möglichst ungestörten Standorten. Je unterschiedlich groß die Steine sind, desto mehr kleine Hohlräume entstehen.
Wichtig ist jedoch: Totholz und Steinhaufen entfalten ihren größten Nutzen nicht allein, sondern zusammen mit blütenreichen Pflanzen, offenen Bodenstellen und ungestörten Bereichen. Offene Bodenstellen sind zum Beispiel für viele bodennistende Wildbienen wichtig. Erst diese Kombination macht aus einem Beet einen vielfältigen Lebensraum. Im Klima-Schaubeet ergänzen Totholz und Steinhaufen deshalb die Staudenflächen und schaffen zusätzliche Strukturen für Tiere, die in einem „aufgeräumten“ Garten oft fehlen.
Warum sind Staudenbeete gut für den Wasserhaushalt?
Regenwasser ist eine wertvolle Ressource. Naturnah bepflanzte Flächen helfen dabei, dieses Wasser dort zu halten, wo es fällt. Pflanzenwurzeln lockern den Boden auf und schaffen feine Hohlräume, durch die Regenwasser versickern kann. Außerdem wirkt der Boden wie ein Schwamm: Er nimmt Wasser auf, speichert es und gibt es bei Bedarf langsam wieder an die Pflanzen ab.
Besonders bei Starkregen ist diese Funktion wichtig. Begrünte Flächen können Niederschläge zurückhalten und verzögert an den Untergrund abgeben. Dadurch wird die Kanalisation entlastet und das Risiko von Überflutungen verringert. Bei sehr starken Regenereignissen sind auch begrünte Flächen nicht unbegrenzt aufnahmefähig, sie leisten aber einen wichtigen Beitrag zur Rückhaltung und Versickerung von Regenwasser.
Ein weiterer Vorteil zeigt sich in Trockenzeiten. Das im Boden gespeicherte Wasser steht den Pflanzen länger zur Verfügung. Eine geschlossene Pflanzendecke und Mulch schützen den Boden zusätzlich vor direkter Sonneneinstrahlung, Verschlämmung und Austrocknung. Über ihre Blätter geben die Pflanzen einen Teil des Wassers wieder an die Umgebung ab. Dieser natürliche Prozess sorgt für Kühlung und verbessert das Mikroklima.
Ein gesunder, durchwurzelter Boden wirkt zudem wie ein natürlicher Filter. Während das Wasser langsam durch den Boden sickert, können Schmutzstoffe teilweise zurückgehalten oder von Bodenorganismen abgebaut werden. So trägt der Boden dazu bei, die Qualität des Sickerwassers und langfristig auch des Grundwassers zu schützen.
Staudenflächen leisten damit einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Wasserhaushalt. Sie speichern Wasser, fördern die Versickerung, unterstützen die Grundwasserneubildung und helfen dabei sowohl Trockenperioden als auch Starkregenereignisse besser zu bewältigen.
Wie helfen Staudenflächen gegen Hitze?
An heißen Sommertagen macht es einen großen Unterschied, ob eine Fläche mit Pflanzen begrünt oder von Steinen, Asphalt, Beton oder offenem Boden bedeckt ist. Staudenflächen können wie eine natürliche Klimaanlage im Kleinen wirken und dazu beitragen, die unmittelbare Umgebung spürbar abzukühlen.
Ein wichtiger Grund dafür ist die Verdunstung. Pflanzen nehmen Wasser über ihre Wurzeln auf und geben einen Teil davon über ihre Blätter wieder an die Luft ab. Dabei wird der Umgebung Wärme entzogen, ähnlich wie beim Schwitzen des Menschen. Dieser natürliche Kühlungseffekt kann die Temperatur im direkten Umfeld senken und das Mikroklima verbessern.
Stauden beschatten den Boden. Dadurch heizt sich die Oberfläche weniger stark auf und trocknet langsamer aus. Besonders in Kombination mit Gräsern, dicht wachsenden Stauden und einer geschlossenen Pflanzendecke bleibt der Boden an heißen Tagen deutlich kühler als auf offenen oder steinigen Flächen.
Anders verhält es sich bei Schotter-, Asphalt- oder Betonflächen. Diese Oberflächen können sich stark aufheizen, Wärme speichern und sie noch lange nach Sonnenuntergang wieder abgeben. Pflanzen dagegen speichern deutlich weniger Wärme und fördern durch ihre Verdunstung die nächtliche Abkühlung. Dadurch entsteht ein angenehmeres Mikroklima.
Ein weiterer Vorteil: Staudenflächen helfen dabei, den Boden vor Austrocknung und Überhitzung zu schützen. Der Boden kann Wasser besser speichern, steht den Pflanzen auch während Trockenperioden zur Verfügung und unterstützt die natürliche Kühlung. Besonders klimaangepasste Staudenmischungen kommen mit heißen und trockenen Sommern deutlich besser zurecht als viele klassische Pflanzungen.
Gerade in Zeiten zunehmender Hitzetage gewinnen solche grünen und artenreichen Flächen immer mehr an Bedeutung. Sie verbessern die Aufenthaltsqualität, schützen den Boden und tragen dazu bei, Städte und Gärten auch im Sommer lebenswerter zu machen.