Regionalgeschichtlicher Spaziergang zum Zusammenschluss von Alt- und Neuhaldensleben vor 80 Jahren

Renate Schmidt führte durch das Programm und erinnerte an die historisch prägenden EreignisseAm 1. Oktober 1938 wurde per Zusammenlegung aus Alt- und Neuhaldensleben Haldensleben. Dieses denkwürdige Ereignis wurde im Rahmen der Stadtliteraturtage mit einem literarisch-geschichtlichen Spaziergang im Landschaftspark Althaldensleben gewürdigt. „Reiseleiterin“ Renate Schmidt hatte als Stationen vier geschichtsträchtige Orte auserkoren, sowie die Stadtgeschichte prägende Ereignisse aus dem 10. 12., 13. 19. Und 20. Jahrhundert. 966 erfuhr die Stadt ihre erstmalige urkundliche Erwähnung und so startete der Rundgang am Charleston Place in unmittelbarer Nähe des Burgwalls, wo sich die vermutlich erste Burg und damit Gründungsplatz der Stadt befunden hat.

In der Bibliothek des ehemaligen Klosters Althaldensleben wurde kurz ins 12., 13. und 19. Jahrhundert geschaut, weil hier die Ereignisse am deutlichsten zeigen, auf welche Weise das Klosterdorf Althaldensleben und die Stadt Neuhaldensleben voneinander profitiert haben. In der Raubritterzeit wurden die Dörfer oft überfallen, so dass die Menschen zunehmend Schutz in Neuhaldensleben suchten, welches von einer Stadtmauer und Wassergräben umgeben war. Durch die Lage in einem großen Sumpfgebiet war es schwerer einnehmbar. 1181 lässt der Erzbischoff Wichmann von Magdeburg das Klosterdorf Althaldensleben zerstören und durch aufstauen der Ohre Neuhaldensleben unter Wasser setzen. Ab 1223 entstand dann unter erzbischöflichem Schutz an der alten sicheren Stelle im Sumpf die neue Stadt Neuhaldensleben. 1228 wurde in der Vorburg der alten Grafenburg ein Zisterzienserrinnenkloster gegründet. Seit diesem Zeitpunkt wurden das Klosterdorf Althaldensleben und die Stadt Neuhaldensleben unterschieden.

Im 14. Jahrhundert erlebte dann das Kloster seine Blütezeit durch den Erwerb von Ländereien, deren Bauern dann als Hörige ihren Dienst für die Äbtissin des Klosters verrichten mussten. Anfang des 19. Jahrhunderts kaufte der Industrielle Johann Gottlob Nathusius das säkularisierte Kloster Althaldensleben und gründet einen der ersten Agrarindustriekonzerne Deutschlands. Durch die Industriellen und gärtnerischen Anlagen und hierbei besonders durch die keramische Industrie wurde aus dem stillen Klosterdorf innerhalb weniger Jahrzehnten ein arbeitsreicher Industriestandort.

Die Kinder der katholischen Kindertagesstätte St. Johannes gaben bekannte Kinderlieder aus der Sammlung von Hoffman von Fallersleben zum BestenNicht zuletzt durch den Landschaftspark entwickelt sich bis zur Revolution 1848 hier auch eine kulturelle Blütezeit. Dem aus seiner Heimat ausgewiesenen Dichter Hoffmann von Fallersleben wurde durch Philipp Nathusius Asyl gewährt. „Und es dichtete für mich der ganze Park“ ist ein Ausspruch des Dichters mit dem er die Schönheit seiner Umgebung in Worte fasste. So entstand hier die unter anderem die Kinderliedersammlung, aus denen Kinder der Kindertagesstätte in Althaldensleben einige zum Besten gaben und die großen spontan miteinstimmten.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich einige der Fachkräfte, die der Industriepionier Johann Gottlob Nathusius angeworben hatte, selbständig gemacht und eigene Unternehmen in Alt- und Neuhaldensleben gegründet. Bürgermeister Otto Boye hatte sich dafür eingesetzt, dass der Mittellandkanal durch Haldensleben gebaut wurde und damit eine wichtige logistische Ader gesetzt. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung wuchsen die beiden Orte immer weiter aufeinander zu, so dass der Zusammenschluss von 1938 keine Zwangseingemeindung unter  Hitler darstellte – wie von vom Ollner Volksmund immer wieder kolportiert wurde - sondern eine Folge des wirtschaftlichen und räumlichen Zusammenwachsens, die ohnehin irgendwann einen Zusammenschluss mit sich gebracht hätten, um die beidseitigen Potentiale durch Bündelung noch nachhaltiger zu entfalten.

Harfenspielerin Sonja Streng präsentierte historische Stücke an den StationenTexte und Gedichte zu den einzelnen geschichtlichen Abschnitten steuerte die Schriftstellerin Juliane Blech bei. Musikalische passend in Szene gesetzt mit Repertoire aus den vorgestellten Epochen wurden die einzelnen Stationen von Harfenspielerin Sonja Streng. Für den Beginn des 20. Jahrhunderts bis etwa 1938 sorgten das Salon-Damen-Trio Klatschmohn für bes(ch)wingte Stimmung bei Kaffee und Kuchen zum Abschluss in der ehemaligen Kapelle und heutigen Aula des Klosters.