Mittellandkanal: Erfolgsgeschichte einer „Wasserautobahn“

Luftaufnahme Südhafen Das war auch für die eingespielte Hafencrew der UHH (noch) kein alltäglicher Job: Vor einigen Tagen verluden die Arbeiter einen rund 240 Tonnen schweren Generator als bisher schwerstes Umschlaggut im Südhafen Haldensleben auf das Binnenschiff „Eider“. Der Generator war mit einem 20-achsigen Tieflader in der Nacht zuvor aus Erfurt angeliefert worden und machte  sich anschließend via Hamburg auf die Reise nach Argentinien. Ein 740 Tonnen schwerer Kran hob das Gerät vom Tieflader auf ein Binnenschiff.

Die Verladungs-Premiere verlief reibungslos - in den nächsten Wochen werden weitere Generatoren folgen. Bislang waren diese Schwergüter im Hafen Aken auf das Binnenschiff verladen worden, doch dort ist der Wasserstand zu niedrig, der Schiffsverkehr auf der Elbe ist zum Erliegen gekommen.

Die spektakuläre Aktion fand vor den Augen vieler Besucher statt - denn zeitgleich hatte das Wasserstraßenneubauamt in den Südhafen geladen. Der Anlass: Nach mehr als 25 Jahren wurde der Ausbau des Mittellandkanals zwischen Hannover und Berlin nun offiziell beendet. Herzstück der Strecke - der 80 Kilometer lange Abschnitt zwischen Wolfsburg und dem

Wasserstraßenkreuz. Dabei bildete die sogenannte „Stadtstrecke“, der Kanalabschnitt in Haldensleben, eine der anspruchsvollsten Etappen und zugleich den letzten Abschnitt. Nun ist die „Bundeswasserstraße Mittellandkanal“ durchgängig fit für die modernsten Schiffsverkehre: Bis zu 185 Meter lange Schubverbände mit einer Tragfähigkeit von bis zu 3.500 Tonnen können den Wasserweg nun passieren.

Gaben den Startschuss für die Verladung (v.li.): Dr. Sebastian Putz, Staatssekretär im Verkehrsministerium, Eckhard Kurfeld, Geschäftsführer UHH Haldensleben, Harald Grote, Leiter Wasserstraßenneubauamt Helmstedt, Dr. Susanne Friederich, Abteilungsleiterin Landesamt für Denkmalpflege, und Archäologie, Sabine Wendler, stv. Bürgermeisterin, Landrat Hans Walker, Helmut Renze, Geschäftsführer Johann Bunte Bauunternehmung und Heinz-Josef Joeris, Leiter der Abteilung Wasserstraßen der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.Dass die Erweiterung Sinn macht, unterstreicht das beträchtliche Wachstum des Verkehrs schon jetzt. Beispiel Containertransport: Dieser stieg von 12.000 Einheiten im Jahr 2010 bis 2017 auf über 40.000 Einheiten an - der Haldensleber Hafen hat hieran einen beträchtlichen Anteil. Seit Anfang der 90er Jahre verdoppelte sich die Menge der auf dem Mittellandkanal transportierten Güter auf mehr als elf Millionen Tonnen. Somit scheint das Geld – das Projekt kostete rund 800 Millionen Euro – gut angelegt: „Ein einziges Binnenschiff kann 100 bis 200 Lkw-Fahrten ersetzen“, betonte Heinz-Josef Joeris, Leiter der Abteilung Wasserstraßen der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in seiner Festrede. Staatssekretär Dr. Sebastian Putz unterstrich die Bedeutung des Kanals für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt und stellte heraus: „Wer ein Idealbeispiel für einen Logistikstandort in Sachsen-Anhalt sehen will, der kann gerne hierher nach Haldensleben kommen.“