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Datum: 08.07.2021

SommerMusikAkademie kehrt mit „Paukenschlag“ zurück

Interview mit Johannes Klumpp, dem künstlerischen Leiter der SMA

Lange war es coronabedingt still, umso größer ist die Freude, dass das kulturelle Leben nun endlich wieder Fahrt aufnehmen kann. Und auch die SommerMusikAkademie kehrt mit einem – auch im wahrsten Sinne des Wortes - „Paukenschlag“ zurück: Mit vollem Programm vom 24. Juli bis zum 8. August auf Schloss Hundisburg und an weiteren besonderen Orten. Worauf sich die Besucher freuen können und auch wie er die Zeit der Einschränkungen erlebt hat, darüber haben wir mit dem Künstlerischen Leiter der SMA, Johannes Klumpp, in einem Online-Interview gesprochen.

Herr Klumpp, wie haben Sie die unfreiwillige Auszeit persönlich erlebt?

Da ich nicht zur klagenden Fraktion gehöre, habe ich die Situation so angenommen, wie sie ist und versucht, das Beste daraus zu machen. Persönlich konnte ich dadurch eine sehr schöne und intensive Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Töchtern verbringen – eine Zeit, die ich als sehr wertvoll erlebt und empfunden habe. Berufsbedingt bin ich unter normalen Umständen ja sonst sehr viel unterwegs. Was mir dagegen schon Kopfzerbrechen und auch die ein oder andere schlaflose Nacht beschert hat, war die Unsicherheit für die beiden Ensembles, für die ich als Künstlerischer Leiter die Verantwortung trage: Das Folkwang Kammerorchester in Essen und die Heidelberger Sinfoniker. Da entstanden von einem Tag auf den anderen schon krasse, existenzbedrohende Einnahmesorgen, weil die angesetzten Konzerte nicht mehr stattfinden konnten. Letztendlich haben hier aber die staatlichen Hilfen schon das Schlimmste abfedern können. Beide Ensembles haben überlebt, sind sogar gestärkt daraus hervorgegangen und starten jetzt wieder voller Hoffnung durch.  

Auch die SMA ist wieder mit vollem Programm am Start: Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich vor allem, dass es wieder losgeht und wir selbstbewusst mit einem echten „Paukenschlag“ aufschlagen: mit Joseph Haydns Symphonie Nr. 94 – der „Symphonie mit dem Paukenschlag“. Mein Anspruch für die SMA liegt ja eindeutig darin, allerhöchste musikalische Qualität zu liefern und ein rundes, abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Ebenso freue ich mich sehr darauf, dass wir Völkerverständigung hier in Hundisburg mit jungen, ambitionierten Musikerinnen und Musikern, der unmittelbaren Nähe zum Publikum und an den besonderen Aufführungsorten endlich wieder live leben und erleben können: Das Meisterkonzert mit Christoph Eß im Barockgarten, das Konzert bei Kerzenschein in der St. Andreaskirche, die Jazznacht auf dem Hof des Technischen Denkmals Ziegelei Hundisburg mit „Jazz für Nichteingeweihte“, das „Besondere Konzert“ mit dem „vision string quartet“ meines mehrjährigen SMA-Bratschen-Stimmführers Sander Stuart, Zofia Neugebauer als Solistin an der Querflöte bei den Abschlusskonzerten und und und …

Welche besonderen Herausforderungen galt und gilt es aufgrund der immer noch vorhandenen Pandemie-Situation zu bewältigen?

Um Abstände einhalten zu können, besteht das Internationale Akademieorchester in diesem Jahr nur aus 30 Musikerinnen und Musikern aus 14 Nationen, die allesamt aus Europa einreisen werden. Trotz der Situation konnten wir uns immerhin über 250 Bewerbungen freuen und hatten die Deadline dafür auch bis Anfang Juni hinausgeschoben. Sonst steht das Orchester immer schon Anfang Mai. Auch die Anzahl der verfügbaren Karten mussten wir zunächst auf die Hälfte reduzieren, hoffen aber, dass wir diese noch aufstocken können. Im Vorverkauf werden deshalb Wartelisten angelegt und die Interessenten dann informiert, wenn zusätzliches Kartenkontingent freigegeben werden kann. Und die 3-G-Regel müssen wir für Musiker und Publikum natürlich auch umsetzen – nach jetzigem Stand der Dinge: Geimpft, getestet, oder genesen.

Inwieweit haben die musikalischen Schwerpunkte ihrer beiden Ensembles – Mozart in Essen und Haydn in Heidelberg – die Stückauswahl für das diesjährige Akademieorchester beeinflusst?

Bei der Stückauswahl hat eher Rolle gespielt, dass wir Corona-Auflagen-konform nur mit einer kleineren Besetzung planen konnten. Sowohl Haydns „Symphonie mit dem Paukenschlag“ als auch Mozarts Symphonie Nr. 26 und dessen Flötenkonzert Nr. 1 sind zwischen 1770 und 1790 entstanden. In dieser Zeit waren die vorgesehenen Besetzungen noch kleiner konzipiert.

Eine beliebte Tradition bei der SMA ist ja auch, dass die Proben öffentlich stattfinden. Können auch in diesem Jahr Interessierte daran Anteil haben?

Ja, bei den Proben sind auch in diesem Jahr Besucher wieder gern gesehene Gäste. Das gilt auch für öffentlichen Unterricht im Meisterkurs von Christoph Eß, den wir aufgrund der hohen Nachfrage sogar von geplanten acht auf zwölf Teilnehmer erhöht haben. Dazu gibt es die bewährten kostenlosen Formate wie das Gesprächskonzert am 3. August in der Schlossscheune und „Unter der Lupe“ am 5. August in der Alten Fabrik in Althaldensleben. Da kann man einfach überall ohne Anmeldung hinkommen.

Herr Klumpp, wir danken herzlich für das Gespräch und wünschen der SMA einen bestmöglichen Verlauf.

Das Festivalprogramm liegt an verschieden Stellen in der Stadt aus und ist hier als Onlineversion hinterlegt.