Ausblicke auf ein Haldensleben im digitalen Wandel

Lutz Zimmermann (re.) eröffnete das 1. Digitalforum Haldensleben. Den Gästen saßen gegenüber (v.li.): Marc Schwade, Geschäftsführer der Consilium GmbH, Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Wünsch und die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler.Wo man hinhört, der digitale Wandel ist in aller Munde. Selbstfahrende Autos, Kleidung mit Mobilfunk, menschenleere Produktionshallen beschreiben nur einen Bruchteil dessen, was Digitalisierung alles möglich macht. Diese Entwicklung wird auch das Leben in den Städten verändern. Was könnte das für Haldensleben bedeuten? Welche Wege wird die Kreisstadt im Zuge des Wandels einschlagen?

Beim 1. Digitalforum Haldensleben am 7. November 2017 im Innovationszentrum in Althaldensleben gab es dazu die ersten Anregungen und einen intensiven Gedankenaustausch.

Fest steht: Haldensleben wird sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen. „Dieser Entwicklung können und wollen wir nicht ausweichen. Schließlich soll unsere Stadt weiterhin ein attraktiver Wohnort bleiben“, sagte Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler bei der Begrüßung der Gäste.

Zu denen gehörte auch Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Wünsch. Er gab einen Überblick wie das Land mit Hilfe der Digitalen Agenda die Prozesse des Wandels
mitgestalten bzw. unterstützen will. Ein Beispiel war das mit einer Million Euro geförderte Projekt „Regionale Digitalisierungszentren“. Dabei ist die enge Zusammenarbeit
zwischen Kommunen, Kammern, Unternehmen, Startups u.a. vorgesehen. Außerdem fördert das Land die Errichtung von drahtlosem Highspeed-Internet an öffentlich zugänglichen Plätzen in zwei neuen Förderangeboten mit zwei Millionen Euro. An dieser Stelle wird es für Haldensleben interessant. Denn öffentliches WLAN ist für Haldenslebens Breitbandbeauftragten und Pressesprecher Lutz Zimmermann der nächste wichtige Schritt in Richtung Grundversorgung: „Der Breitbandausbau läuft. Laut Telekom soll er für das Stadtgebiet bis Mai 2018 und für die Ortsteile Satuelle und Uthmöden im August 2018 abgeschlossen sein“, so Zimmermann. „Mit der Basis könnten wir damit beginnen, das öffentliche WLAN ‚auszurollen‘. Vorerst aber nur an stark frequentierten Punkten im Stadtgebiet.“ Dazu wird jetzt eine Planung zu den baulichen Voraussetzungenentwickelt, die dafür geschaffen werden müssen.

Bleibt noch zu klären: Wie betreibt man ein solches Netz und wie wird es refinanziert? Auch auf diese Fragen werden wir Antworten finden“, betont Lutz Zimmermann.
„Denn zum öffentlichen WLAN gibt es keine Alternative, es wird kommen.“

Und damit wäre Haldensleben gewappnet für den Weg zu einer sogenannten „Smart City“ – einer vernetzten, effizienten, „schlauen“ Stadt. Unzählige Technologien,
die heute schon existieren, könnten genutzt oder eigene entwickelt werden.

Ein Gespräch unter Referenten (v.li.): Birgit Schönborn (beginit.de), Jens Richter (I2KT) und Thorsten Schädler (Cisco Systems Deutschland).Einige Beispiele dafür nannte Thorsten Schädler von Cisco Systems Deutschland in seinem Vortrag. „Zu Beginn muss immer die Frage stehen: Welches Problem wollen
wir lösen?“, begann der Experte. „Denn man muss nicht immer alles neu erfinden.“ Da gibt es zum Beispiel schon das Ende der Parkplatzsuche: einfach per App über
das Handy einen freien Parkplatz reservieren und über das Navi hinführen lassen. Oder den „Rufbus“: der nur fährt wenn Fahrgäste da sind. Die „intelligente“ Mülltonne,
die erst abgeholt wird, wenn sie das Signal „voll“ sendet. Die Straßenlaternen, die nur dann hell aufleuchten, wenn ein Passant in der Nähe ist. Und dann noch
die Grünflächen-Bewässerung, die erst einsetzt, wenn es wirklich nötig ist. „Bei all diesen Möglichkeiten wird einem schnell klar, dass da noch unzählige weitere Anwendungen
folgen werden“, sagt Thorsten Schädler.

Für Lutz Zimmermann ein Betätigungsfeld das spannender nicht sein kann. „Dabei müssen wir gründlich prüfen, wo Verspieltheit anfängt und was einen tatsächlichen Nutzen für Stadt und Bürger bringt. Unser Leitbild bei allen Überlegungen muss Bürgernähe sein. Digitalisierung verändert die Abläufe der Menschen, wir müssen uns mit ihnen Verständigen und sie mitnehmen, sonst funktioniert es nicht.“

In dem Zusammenhang macht der Breitbandverantwortliche der Stadt auf die zu erwartende Situation an den Schulen aufmerksam. Alle öffentlichen Einrichtungen sollen mit leistungsfähigem Internet ausgestattet werden, das bestätigte Telekom-Regiomanager Andreas Meyer beim Digitalforum nochmals. Das habe natürlich auch seinen Preis. „Da ist zum Beispiel rechtzeitige Verständigung gefragt. Die Schulträger brauchen verträgliche Finanzierungsmodelle, damit die Nutzung des schnellen Netzes am Ende nicht an den Kosten scheitert“, so Andreas Meyer.