Stolpersteine zum Gedenken an Haldensleber Nazi-Opfer

Künstler Gunter Demnig verlegte die beiden ersten Stolpersteine für Haldensleben„Wer sich der Vergangenheit nicht erinnert, ist verdammt, sie zu wiederholen. Darum – gegen das Vergessen – diese Stolpersteine. Nun ist es an uns, diese Steine sichtbar zu halten.“

Mit diesen Worten besiegelte Pfarrer Matthias Simon von der evangelischen Kirchengemeinde St. Marien die Verlegung der ersten beiden Stolpersteine in Haldensleben am 24. März 2017.

Rund 100 Gäste hatten sich um die Mittagszeit vor der Holzmarktstraße 6 versammelt – darunter die 2. stellvertretende Bürgermeisterin von Haldensleben Carola Aust, Joachim Hoeft als Vertreter des Landkreises, mehrere Stadträte - sogar viele Schülerinnen und Schüler der Stadt waren gekommen. Sie alle verfolgten andächtig jeden Handschlag des Künstlers Gunter Demnig, der in der Toreinfahrt kniete und den ersten Stolperstein für Haldensleben verlegte. „Hier wohnte Helene Dreier, geb.: Goldschmidt…“ steht auf der kleinen Messing-Gedenktafel. „Deportiert 1944, Theresienstadt, befreit“, endet die Inschrift.

Demnig ist der Vater des europaweiten Kunstprojektes mit dem an so schreckliche Schicksale wie das von Helene Dreier erinnert wird – Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert oder in den Selbstmord getrieben wurden.

Während der Zeremonie an der Holzmarktstraße verlasen Konfirmanden des Jahrgangs 2017 Auszüge aus dem Leben des NS-Opfers: „Helene Dreier war überall dort aktiv, wo es um unauffällige Hilfe und Unterstützung für notleidende Menschen ging. Sie wurde damals auch die Samariterin der Holzmarktstraße genannt.“ Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von den Schülerinnen der Kreismusikschule Maria Labeit und Berte Dehne. Sie spielten gemeinsam mit ihrem Musiklehrer Uwe Blamberg auf der Klarinette.

Der zweite Stolperstein für Haldensleben wurde Eugen Frohnhausen gewidmet. Der Kaufmann war ein Großteil seines Lebens in der Eisenhandlung Gebr. Löwenstein in Neuhaldensleben tätig, ab 1923 sogar Alleininhaber der Firma. Er wohnte zuletzt an der Bornschen Straße 55, gedemütigt und entrechtet. 1942 nahm er sich im Alter von 64 Jahren das Leben, nachdem er erfahren hatte, dass er deportiert werden sollte.
Finanziert wurde die Aktion mit Hilfe von Spenden. Pfarrer Simon bedankte sich herzlich bei allen Unterstützern, u.a. der Stadtverwaltung, den Stadträten, der Kreismusikschule, den Eigentümern der Häuser an den Erinnerungsstätten und der Firma HDL-Bau. Schon im Vorfeld hatte er betont: „Im Jahr des 500-jährigen Reformationsgedenkens ist es in Anbetracht der schwierigen Geschichte von Christen und Juden umso angemessener, etwas gegen das Vergessen zu tun.“

 

Der Stein für Eugen Frohnhausen wird verlegt
Der Stein für Eugen Frohnhausen wird verlegt
Holzmarktstr. 6 - der Stein für Helene Dreier
Holzmarktstr. 6 - der Stein für Helene Dreier
Der Gedenkstein für Eugen Frohnhausen
Der Gedenkstein für Eugen Frohnhausen
Carola Aust legt eine Rose nieder
Carola Aust legt eine Rose nieder
Pfarrer Simon sprach mahnende Worte
Pfarrer Simon sprach mahnende Worte
Die Kreismusikschule sorgte für den musikalischen Rahmen
Die Kreismusikschule sorgte für den musikalischen Rahmen