Gedenkbuch für Opfer des Nationalsozialismus im Landkreis Börde veröffentlicht – digitales Exemplar an Bürgermeisterin Regina Blenkle übergeben

v.l. Helmut Menzel, Leiter der Fachgruppe und Mitbetreiber des Forums Militär- und Garnisonsgeschichte, Bürgermeisterin Regina Blenkle, Autor Reimund Schulze„Mit dieser Dokumentation möchte ich ein Zeichen gegen das Vergessen setzen“. Mit einer Auflistung der Orte und Opfer der dunklen Zeit 1933-1945 für den Landkreis Börde in einem Gedenkbuch hat Freizeit-Historiker Reimund Schulze aus Magdeburg eine 12 Jahre währende Recherche-Arbeit beendet. Ein digitales Exemplar des 850 Seiten umfassenden Buches übergab Schulze vor kurzem an Bürgermeisterin Regina Blenkle.

Der Anlass, sich eingehender mit den Schicksalen der Opfer zwischen 1933 und 1945 in Haldensleben und auf dem Gebiet des heutigen Landkreises zu beschäftigen, war für Reimund Schulze die eigene Familiengeschichte. Der 1954 in Haldensleben Geborene hatte nie mit seinem Vater über das ihm in dieser Zeit Widerfahrene sprechen können. Dieser war nach dem Verbot der KPD in die illegale Widerstandsgruppe „Schmidt und Genossen“ eingetreten und deswegen später in die Konzentrationslager Lichtenburg und Sachsenhausen deportiert worden, die er schwer krank überlebt hat. In der 850 Seiten umfassenden und in sieben Kapitel unterteilten Dokumentation beleuchtet das dritte Kapitel diese Gruppe von Bürgern, die sich dem Naziterror widersetzten. Die Nachforschungen brachten die Namen der Beteiligten zutage und eine Anklageschrift aus dem Jahr 1934.

Im ersten Kapitel widmet sich Reimund Schulze den Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Hier findet neben einer Übersicht zu ehemaligen Lager auch eine genaue Auflistung zum Beispiel von Friedhöfen, auf denen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter beigesetzt worden sind. Das Thema „Euthanasie“ in der damaligen Landesheilanstalt des Kreises Neuhaldensleben wird im zweiten Kapitel beleuchtet.

Den Konzentrations- und Außenlagern und deren Opfern aus dem Landkreis wird in Kapitel vier ausführlich Raum gegeben. Die Todesmärsche und ihre Opfer sind ebenso beschrieben. Beigefügt sind auch eine Bilddokumentation über die Gedenkstätten im heutigen Landkreis, die Konzentrationslager und Tötungsanstalten und Zeitzeugenberichte.

 „Mit dieser Dokumentation möchte ich ein Zeichen gegen das Vergessen setzen“ betont Reimund Schulze. Es sei immer wieder erschreckend festzustellen, wie wenig die Menschen über die NS-Zeit wüssten. Umso notwendiger sei es, diese auch heute noch weiter und tiefgreifend zu erforschen, gerade auch weil die Zeitzeugen zunehmend schwinden.

Da sich noch kein Verleger für eine Printversion gefunden hat, ist das Werk derzeit nur digital erhältlich, unter anderem beim Kultur- und Heimatverein Magdeburg, dessen Fachgruppe Militär- und Garnisonsgeschichte das Projekt unterstützt.

Für Bürgermeisterin Regina Blenkle hatte Reimund Schulze ein eigens auf DVD gebranntes Exemplar dabei. Die Bürgermeisterin zeigte sich beeindruckt, von der akribischen Arbeit des 61jährigen Reimund Schulze: „Auch in Anbetracht der aktuellen Flüchtlingssituation und dass in den letzten 25 Jahren wieder ein deutlicher Anstieg kriegerischer Auseinandersetzungen zu verzeichnen ist, hat das Buch einen hochaktuellen Bezug.“, stellte Blenkle fest. Es sei ein sehr wichtiger und guter Beitrag, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren, die Diskussion zu diesen Fragen mit den Bürgern anzustoßen und zum Beispiel auch Schulprojekte dazu zu initiieren. Zu finden ist das Gesamtwerk unter: http://f15919.nexusboard.de/t1049f62-Gedenkbuch-fuer-die-NS-Opfer-im-Landkreis-Boerde-Reimund-Schulze.html.

Ferner liegt in der Stadt- und Kreisbibliothek eine DVD gleichen Inhalts zur Ausleihe bereit.