Eröffnung der Alvenslebenschen Bibliotheken in Hundisburg

Eröffnung der Alvenslebenschen BibliothekenDer in Hundisburg gebürtige, bedeutende Humanist und Reformator Joachim von Alvensleben (1514-1588) begründete im 16. Jahrhundert eine umfangreiche Bibliothek, die durch seine Nachkommen vermehrt und als Besitz der Gesamtfamilie bis zum heutigen Tag bewahrt werden konnte. Viele Bände der Bibliothek sind Erstdrucke wichtiger Reformationsschriften, die gleichzeitig in ihrem Sammlungszusammenhang ein eindrucksvolles Zeugnis über die Person ihres Gründers als einer der maßgeblichen Protagonisten der Reformation im nördlichen Sachsen-Anhalt ablegen.

Die Sammlung befand sich zunächst in Erxleben, überstand den dreißigjährigen Krieg in Stendal und gelangte auf Veranlassung Johann Friedrichs II. von Alvensleben 1709 nach Hundisburg, wo sie über hundert Jahre zusammen mit der ebenso umfangfangreichen Privatbibliothek der Schlossherren im so genannten Bibliotheksturm, dem eigens dafür entsprechend eingerichteten Nordturm des Schlosses aufbewahrt wurde.

Im 19. Jahrhundert, als Hundisburg der Familie verloren gegangen war, gelangte die Bibliothek zurück nach Erxleben. Dort wurde 1899-1903 ein neuer Bibliotheksbau errichtet, in dem die Sammlung zusammen mit weiteren Büchern bis 1945 verblieb.

Im Juni 1945 konnten etwa 5600 Bände der alten Bibliothek zusammen mit weiteren Kulturgütern, wie dem Chorgestühl des Magdeburger Doms, kurz vor der Besetzung durch die Rote Armee nach Pattensen bei Hannover in Sicherheit gebracht werden. Sie wurden zunächst dem Kloster Loccum und seit 1976 der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel in Verwahrung gegeben. Von den etwa 10.000 zumeist jüngeren Büchern, die in Erxleben verbleiben mussten, gingen etwa zwei Drittel in den Nachkriegswirren verloren, etwa ein Drittel gelangte in die Universitäts- und Landesbibliothek in Halle, in das Museum Haldensleben und in andere Bibliotheken.

Nach mehrjährigen Vorbereitungen ist es in einer gemeinschaftlichen Initiative der Familie v. Alvensleben, des Landes, der Universitäts- und Landesbibliothek in Halle, der Stadt Haldensleben und des Vereins KULTUR-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e.V. gelungen, die wesentlichen Bestandteile der alten Renaissancebibliothek an einem ihrer historischen Standorte in Schloss Hundisburg zusammenzuführen. Sie ist dort eine Außenstelle der Universitäts- und Landesbibliothek, in deren Katalog integriert und wird von dieser fachlich und wissenschaftlich betreut. Die weitere öffentliche Nutzung wird durch die Stadtbibliothek Haldensleben gewährleistet. Schlossbesucher können die Bibliothek im Rahmen der Schlossführungen besichtigen. Damit ist eine der wichtigsten und wenigen noch existenten historischen Bibliotheken des Landes in ihre Heimatregion zurückgekehrt und dort sowohl für die Wissenschaft als auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich.
 
Die Einweihung der Alvenslebenschen Bibliotheken in den neu hergerichteten Räumen auf Schloss Hundisburg findet im Rahmen des diesjährigen Familientages der Familie von Alvensleben am 1. September auf Schloss Hundisburg statt.